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KENIA

Wir fahren also durch den Schranken des äthiopischen Grenzpostens, und damit für längere Zeit in die absolute Wildnis und Abgeschiedenheit. Nur einige alte Spuren zeigen uns die Richtung durch den Busch an.
"The World´s end", steht in irgendeinem Reiseführer geschrieben, und so werden wir uns die nächsten Tage auch fühlen.
Einige Kilometer nach der Grenze erreichen wir zwar noch einen kleinen Ort mit Polizeistation, an der wir uns melden müssen, und unsere Daten vermerkt werden, aber das wars dann für viele hunderte Kilometer.
In diesem kleinen Ort, Illerett, gibt es einen Europäer, der ein kleines Safari-Unternehmen führt, und um aktuelle Informationen zur Strecke einzuholen, nehmen wir mit ihm Kontakt auf.
Von ihm erhalten wir dann zwar die gewünschten Informationen, aber leider handelt es sich dabei um welche, die unsere Stimmung schlagartig verschlechtern wird, und die gesamte weitere Strecke in eine Tortur für Psyche, Körper und Maschine verwandeln werden!
Er erzählt uns von dem kenianischen Gesetz, welches Einreisende dazu verpflichtet, sich spätestens 72 Stunden nach der Einreise bei der Immigration registrieren zu lassen, bzw. einen Einreisestempel im Pass zu erhalten. Bei der Einreise über Moyale überhaupt kein Problem, denn dort gibt es eine normale Grenzabfertigung mit Immigrationoffice, aber auf der Lake Turkana Route gibt es das eben nicht!
Auf eine Nichteinhaltung dieser Frist stehen lange Gefängnisstrafen, erzählt er uns. Dies werde zwar oft nicht so streng gehandhabt, aber man wisse ja nie, an wen man gerät, und die einzige Möglichkeit, jenen wichtigen Stempel zu erhalten, sei in Nairobi!
So eine Kacke!!!! Nairobi!! Das bedeutet über 1000km, wie sich herausstellen wird auf übelsten Pisten, in 72 Stunden hinter uns zu bringen!!!
Gleich vorweg: Wir schaffen es nicht, brauchen, obwohl wir jeden Tag um 5 Uhr morgens aufstehen, und von Sonnenauf-, bis Sonnenuntergang unsere Fahrzeuge rücksichtslos über materialmordendes Terrain prügeln, 5 Tage dafür, und haben schlußendlich in Nairobi bei der Immigration keine Probleme.
Trotzdem, aus oben genannten Gründen rate ich jedem davon ab, die Strecke Nord-Süd zu befahren!!!!
Anders herum sieht die Sache ganz anders aus: Man befindet sich auf kenianischer Seite legal im Land, und auf äthiopischer Seite kann man vollkommen legal einreisen.
Auf diese Art und Weise kann man die Strecke gemütlich fahren, hat keinen Streß und keine kenianische Gefängniszellen im Hinterkopf, und möglicherweise empfindet man es dann als schön und empfehlenswert.
Für uns wird die Fahrt bis Nairobi zum reinen Horrortrip, und eine extreme Herausforderung an Mensch und Maschine!
Zur Strecke: Wer sein Fahrzeug mal so richtig herprügeln will, für den ist Lake Turkana genau das Richtige!
Grundsätzlich handelt es sich dabei um 1000km Lava-Geröllhalde, zwischenzeitlich unterbrochen von sumpfigen Flussläufen, in denen man, vor Allem wenn es zuvor geregnet hat, locker einen Lkw bis zum Dach versenken kann, und einigen sandigen Abschnitten!
Vor Allem die Motorradfahrer kommen dabei ans absolute Limit ihrer körperlichen und psychischen Leistungsreserven, obwohl wir das meiste Gepäck und Benzinreserven für sie im Lkw mitführen. Besonders Andreas und Andreas mit ihren schweren Africa-Twins haben große Probleme, sind am 3. Tag, an dem wir den ersten kleinen Ort erreichen, absolut am Ende, und verladen ihre Motorräder für die nächsten hundert Kilometer, die die Allerschlimmsten der gesamten Strecke sein sollen, auf einen dort stationierten Polizei-Landcruiser.
Danach wird die Piste "etwas" besser, und wir erreichen nach 5 Tagen glücklicherweise ohne grobe technische Gebrechen kurz vor Nairobi die Asphaltstrasse.
Einige Eindrücke von unserer "Horrorfahrt":

Gerd und Gerd. Ohne Worte.

Bei der Verladung der Africa-Twins:

Als kleine Belohnung bekommen wir neben vielen Gazellenarten unsere erste Giraffe zu Gesicht:

Kurz vor Nairobi dann ein Meilenstein unserer gesamten Reise: Wir überqueren den Äquator!
Die Belastungen der letzten Tage stehen, zumindest mir, doch deutlich ins Gesicht geschrieben!

Kurze Zeit später erreichen wir Nairobi. Unser erster Anlaufpunkt ist natürlich das Immigrationoffice, in dem wir ohne Probleme und auch ohne großen Erklärungsbedarf unsere Einreisestempel in den Pass gestempelt bekommen. Sehr erleichtert, und in der besten Stimmung seit vielen Tagen, fahren wir direkt weiter zum Zoll in den Time-Towers, wo unsere Carnet´s ebenfalls ohne Probleme eingestempelt werden.

Chris aus Deutschland, der 11 Jahre mit seinem Motorrad durch Afrika gereist ist, hat sich irgendwann in Nairobi niedergelassen, und führt hier seither eine Overlanderunterkunft, ein kleines Paradies für gestresste Reisende, und eine Oase der Ruhe und Entspannung. Im Garten kann man Campen, es gibt wunderbares Essen, eine Küche für die Allgemeinheit, und einen riesigen Kühlschrank voller Bier.
So wird die "Jungle Junction", wie sie sich nennt, für die nächsten Tage unser Zuhause.

Lake Turkana, WE SURVIVED!

Nach einigen netten und gemütlichen Tagen trennen sich hier die Wege unserer liebgewonnenen Weggefährten, mit denen wir immerhin mehr als ein Monat einiges durchgestanden, und viel Spaß miteinander gehabt hatten.
Für Andreas und Andreas gehts weiter an die Küste und nach Tansania, und die 2 Gerds fahren nach Uganda um sich dort für 3 Monate an einem Hilfsprojekt zu beteiligen. (@ G´s: Neujahr in Südafrika?!)

Wir bleiben noch etwas länger in Nairobi, und ich verbringe die Zeit mit Reparatur meines Luftpressers, Umbau meiner viel zu harten Federn auf "selfmade-parabelfedern" mit wesentlich weicherem Ansprechverhalten, und dem Bau eines Stromleitungsabweisers für den Aufbau:

Nachdem mein Auto also "Safari-fit" gemacht ist, kanns endlich losgehen in die Gameparks, auf die wir uns schon so freuen. Wir entscheiden uns für den Amboseli-Nationalpark, der direkt an der Grenze zu Tansania am Fuße des Kilimanjaro liegt.
Einziger Nachteil aller Gameparks vor Allem in Kenia sind die gigantischen Eintrittspreise, und mit einem Lkw wird die Sache noch um ein vielfaches teurer als mit einem normalen Geländewagen.
Es gibt allerdings einen Trick:
Lkw´s werden nach Tonnage berechnet, und Pkw´s nach Sitzplätzen. Die billigste Variante ist ein Pkw mit weniger als 6 Sitzplätzen, die teuerste ein Lkw über 7 Tonnen.
Was für ein Glück also, daß mein Auto kein Lkw, sondern ein "Private car" mit nur 2 Sitzplätzen ist!!
"How many tons?" fragt man mich am Gate.
"No tons. Two seats!"
"No, no. How many tons?"
"I don´t know. It has no tons. It´s not a truck. It´s my private car and it has two seats only!!!!"
"This is your private car????????" Wie so oft macht eine allgemeine Verwunderung die Runde, jeder betrachtet das seltsame Gefährt, man diskutiert und beratschlagt,......
"Ok, two seats"
.......na bitte meine Herren, es geht ja!
Sehr viel einsparen kann man auch am Eintritt pro Person.
Teuerste Variante: Bescheuerter Tourist.
Billigste Variante: Kenianer, Resident oder Student. Natürlich muß man das auch belegen können, aber im Zeitalter des Photoshop........
Moralische Bedenken kann man hierbei getrost über Bord werfen, denn der "ehrliche Tourist", von denen es in Kenia wimmelt, legt locker 300 Dollar pro Tag(!!!) dafür auf den Tisch. Die Parkverwaltung muß also sicher nicht hungern!

Wir erreichen den Park spät nachmittags, begeben uns auf die Suche nach dem Campsite, und erreichen diesen bei Einbruch der Dunkelheit.
Am nächsten Morgen wache ich ganz ungeduldig schon vor Sonnenaufgang auf, schaue aus dem Fenster, und kann es kaum glauben, denn der Kilimanjaro, der normalerweise von Wolken verhängt ist, erstrahlt kurze Zeit später vollkommen wolkenlos im ersten Morgenlicht:

Vom Dach des Autos mache ich einige Fotos davon, als plötzlich direkt neben dem Camp eine Herde von Zebras und Gnus in Aufruhr gerät:

Der Grund dafür wird uns erst bewußt, als wir kurze Zeit später mit dem Auto das Camp verlassen. Keine 500 Meter entfernt, und gerade mal 2 Minuten im Park, sehen wir aus nächster Nähe etwas, für das man normalerweise lange suchen muß: 3 Geparden!

Den ganzen Tag fahren wir durch diesen wunderschönen Park, und bekommen dabei fast die komplette Palette der ostafrikanischen Tierwelt serviert:

Sehr zu unserer Freude sehen wir dann noch, eigentlich schon am Weg Richtung Ausfahrt, zwei Löwen, nachdem wir die Suche nach ihnen schon aufgegeben hatten:

Dieses Foto muß natürlich auch sein:

Im und um den Park leben noch traditionelle Massai´s in ihren kleinen Dörfern. Ein junger Massai bietet uns an, sein Dorf zu besuchen, und wie man sich denken kann nicht aus reiner Freundlichkeit, sondern gegen entsprechende Bezahlung.
Nach harten Preisverhandlungen scheint mir die Summe angemessen, und wir willigen ein.
Eine gute Entscheidung, wie sich herausstellen wird, denn die Massais in seinem Dorf sind wirklich freundlich und nett, führen ihre Tänze vor, und zeigen uns wie sie mit zwei Stücken Holz feuer machen:

Wir müssen auch mittanzen, bzw. springen:

Vom Amboseli-Park fahren wir anschließend weiter Richtung Mombasa, bzw. Tivi-Beach am indischen Ozean, wo wir die letzten Tage vor unserem Rückflug nach Wien am 25.April verbringen wollen.
Auf der Fahrt dorthin zeigt sich uns Afrika von seiner schönsten Seite. Gute, flotte Lateritpisten, schöne, ursprüngliche Dörfer und unglaublich nette Menschen:

Unterwegs noch ein Zwischenstopp am Ostersonntag in der "Red Elephant Lodge" mit Pool....

.....und dann erreichen wir den indischen Ozean.
Weißer Strand, Kokosnusspalmen, badewannenwarmes, glasklares Wasser, 40 Grad, die gesamte tropische Fruchtpalette.......
........wir haben schon schlimmere Dinge durchgestanden......

Fast 10 Tage verbringen wir an diesem herrlichen Strand, leider mit dem tragischen Bewusstsein, daß dies für längere Zeit unsere letzten Tage auf dem so geliebten afrikanischen Boden sein werden.
Viele Leute versuchen hier am Strand etwas Geld mit den Touristen zu machen, und so gibt es Obst-, Gemüse-, und Fischverkäufer, Frauen, die die typischen Kanga-Tücher anbieten, kleine, nette Restaurants, und einige Holzschnitzer, mit denen wir uns mit der Zeit anfreunden, und einige von ihnen wachsen uns richtig ans Herz:
Unser Obst und Gemüsemann, überall bekannt als "Mango-Man":

Neben Mango-Man sieht man auch unseren Fisch-Mann, der gerade Riesengarnelen vorbeibringt.
Unsere Schnitz-Freunde: Am ersten Bild ist gerade Siegis Schlüsselanhänger in Arbeit, und am Zweiten ist der Rohbau von Isolde´s Spezialmaske zu erkennen. Er hat mir eine Maske in kenianischem Stil nach Vorlage eines Fotos meiner Schwester Isolde gemacht!

Dann wären da noch unsere treuesten Freunde, die uns 24 Stunden am Tag nicht aus den Augen lassen, speziell wenn was Essbares in Reichweite ist. Hier gerade beim Verzehr unseres Mülls:

Eines Tages fällt mir auf, daß der rechte Hinterreifen wesentlich weniger Luft hat, als die Anderen, und tatsächlich, wir haben, neben einem kapitalen Reifenschaden in Marokko, unseren ersten richtigen "Patschen" nach mittlerweile insgesamt 10 Monaten, und ca. 35.000 km in Afrika:

Einige Tage später, wir sind mittlerweile in der beginnenden Regenzeit, stelle ich mein Auto zum Schutz vor Regen und Wind weiter vom Strand weg unter einen Baum.
Gerade als es zufällig kurz nicht regnet höre ich plötzlich einen dröhnenden Knall aus der Richtung unseres Lkws, und mache mich auf den Weg um nachzusehen was wohl die Ursache dafür war.
Als ich die Rückseite des Fahrzeuges erblicke trifft mich fast der Schlag!
Eines der sündhaft teuren, selbst in Europa schwer zu beschaffenden Kofferfenster liegt in 1000 Scherben verstreut am Boden, und daneben, als Ursache der Zerstörung, eine riesige Kokosnuss!!

In meiner Wut, und als Strafe für diese Untat, schlachte ich sie auf der Stelle mit meiner Machete:

Trotz schwerer Bedenken finde ich Tags darauf doch tatsächlich in Mombasa einen Glaserer, der Plexiglas in der nötigen Stärke lagernd hat, und schaffe es gerade noch das Fenster zu reparieren und einzubauen, bevor der nächste große Regenschauer einsetzt. Zu meiner Freude ist es auch 100% dicht!

Da sich Mombasa auf einer Halbinsel befindet, ist der Weg dorthin nur mit einer Fähre, oder einem Umweg von über 100km möglich. An jener "Likony-Fähre" erleben wir dann wiedermal eine dieser mittlerweile so gehassten "Schwarzer-Mann-zieht-weißen-Millionär-über-den-Tisch-Aktionen":
Laut Preisliste soll die Überfahrt 150 Schilling kosten.
"300 Schilling!", meint der Kassier zu mir.
"Auf der Preisliste steht aber 150, und ich werde keinen Cent mehr bezahlen!", antworte ich ihm bestimmt.
"Für Dich aber 300, oder Du bleibst eben hier!"
"Die Tourist-Police wird nicht erfreut sein, wenn ich ihnen das erzähle!", drohe ich ihm, aber er bleibt weiter stur, und beharrt auf dem doppelten Preis, also ziehe ich los, und komme mit einem Officer der Tourist Police zurück, doch auch dieser scheint nichts daran ändern zu können(bzw. zu wollen).
"Ich will sofort mit dem Boss der Fährgesellschaft sprechen!", ändere ich meine Taktik.
Natürlich ist der aber gerade zufälligerweise nicht erreichbar.......
"Nicht mit mir mein Freund, nicht mit mir!!!!!" Ich ziehe also auf eigene Faust los, um den Chef zu suchen, während Steffi auf das Auto aufpasst, und was für ein riesengroßer Zufall: Der Big-Boss ist plötzlich nicht nur erreichbar, nein, er sitzt sogar höchstpersönlich in seinem Büro, und ist alles andere als erfreut, als ich ihm, natürlich hochdramatisch und emotional stark erregt schildere, was seine vertrauenswürdigen Angestellten da draußen so abziehen.
Was für eine herrliche Genugtuung, als sich bei der nächsten Anfrage am Ticketschalter, diesmal mit dem Boss an meiner Seite, der Fährpreis auf wundersame Art und Weise halbiert, und nur mehr 150 Schilling zu bezahlen sind. Der Kopf des "netten" Herren im Fahrkartenhäuschen glüht wie eine 100-Watt-Birne!!

Vor und auf der Fähre:

Wir verbringen anschließend noch 2 Tage in der Twiga-Lodge, bevor wir leider endgültig den Heimweg antreten müssen.
Diesmal auf schnellstem Wege geht es zurück nach Nairobi, wo wir noch 3 Tage lang das Auto für ein halbes Jahr Stillegung fertigmachen, die nötigsten Sachen und die Mitbringsel in die Rucksäcke packen, und am 24.April besteigen wir wehmütig und voller wunderbarer Erinnerungen, Bildern und Rückblicken die British-Airways-Maschine, die uns in nur 10 Stunden fast exact auf dem gleichen Weg dorthin zurückbringen wird, wo wir vor mittlerweile einem halben Jahr gestartet sind.
Einziger Wehrmutstropfen: In einem halben Jahr kommen wir wieder zurück, und dann geht die Reise weiter.........

Einige Daten:
Strecke: ca. 18.000km
Verbrauch: ca. 5000 Liter Diesel für die Maschine, und 1600 Liter Wasser für die Besatzung
Kosten: Alles in Allem ca. 8000 Euro
8 Länder, und unzählige unbezahlbare, wunderschöne Begegnungen, Erinnerungen, Bilder und Geschichten

Reisestatistik:

Letztes Update am:
04.10.2010
aktuelle Position:
Graz,
Fahrzeugtechnikstudium
Temperatur: 10° C
Reisetage(insg.):
ca.643
Strecke(insg.):
ca. 76.500 km
Reifenpannen: 7
Überfälle: 1
Schmiergelder:
25 Euro
Länder:ca.35

Transafrikaroute 06/07/08: