Navigation

mit großzügiger
Unterstützung von:

impressum | kontakt | home | guestbook

Anfahrt durch Europa

Zuerst geht es zu meinem Freund Peter, ohne dessen liebe Hilfe ich nie soweit fertig geworden wäre, bei dem ich noch Sachen einlade, und...... natürlich Cafe trinken muß, und fahre anschließend weiter nach Salzburg, wo mein Vielleicht-Sahara-Reisegefährte (es ist ungewiß, ob sein Steyr 12M18 in nächster Zeit wirklich reisefertig wird) Joe, mit meinem neuen Reifen auf mich wartet. Hab den rechten Vorderreifen blöderweise kurz vor Abfahrt in Peters Garten an einem I-Träger komplett aufgeschlitzt.
Joe: Vielen Dank nochmals für die Bemühungen, den Toast und die Unterkunft!

Von Salzburg geht es nach Samnaun, einen zollfreien schweizer Schiort, und tanke für 83,5 cent/Liter zum ersten Mal alle 4 Tanks voll, die dann bis Algeciras reichen sollten.
Weiter geht es durch Italien im absoluten Schneechaos am Gardasee vorbei:

Ich fahre trotz schwerer Bedenken in Richtung Sestriere, wo gerade die Olympiade im Anlaufen ist, und darf tatsächlich trotz allgemeiner Schneekettenpflicht wegen dem Allradantrieb ohne Ketten die Alpen nach Frankreich überqueren.
In der Provence wird es endlich wärmer, der Schnee verschwindet, und ich schalte die Heizung erstmals aus:

In Südfrankreich nahe der spanischen Grenze steht plötzlich alles unter Wasser. Häuser, Autos, Felder, an vielen Stellen steht das Wasser über einen Meter hoch.
Weiter geht es über Barcelona die spanische Ostküste am Mittelmeer entlang, und dort ziehe ich dann voller Freude, und mit einem breiten Grinsen im Gesicht, meinen Pullover aus, und fange selbst im T-Shirt bei offenem Fenster leicht zu schwitzen an. Endlich! Es wird wirklich warm! Ca. 20 Grad:

In Almeria bei Sonnenschein, 20 Grad, und unter Palmen mache ich die letzten Dinge im Auto fertig, wie z.B: die Toilette und Dusche, verstecke das Bargeld gut an mehreren Stellen, verräume die Dinge, die an der marokkanischen Grenze unerwünscht sind, wie Buschmesser und Pfefferspray, und erkundige mich nach dem Fährpreis von Almeria nach Mellia.
Fähre fährt 7 Stunden über Nacht und kostet für ein WoMo mit 3,5m Höhe + 1 Person 235 Euro.
Preislich macht es also keinen Unterschied, ob man von Almeria übersetzt, oder den Gewinn der günstigeren Fähre in Algeciras als Sprit durch Andalusien verfährt, allerdings ist die Fahrt an der andalusischen Küste, der Costa del Sol, ein volles Erlebnis mit wunderschöner Landschaft:

In Algeciras fülle ich nochmals alle meine Wassertanks auf, und merke dabei leider, daß einer der vermeintlich unnötigen Schlüßel, die ich in Wien gelassen habe, dann eigentlich für den Einfüllstutzen des zweiten Wassertanks ganz praktisch gewesen wäre. Also alles ausräumen, und den Tank von innen befüllen. Ist ja schließlich auch viel praktischer, als über so einen außenliegenden, schönen Einfüllstutzen.
Ganz ungeduldig fahre ich zum Hafen, kaufe das erstbeste Ticket für 162,5 Euro, und 1 Stunde später gehts ab aufs Schiff, das nur 35 Minuten bis Ceuta braucht:

Auf der Fähre treffe ich noch Mathias, einen Grazer, der Autos nach Mauretanien, Mali, etc. überstellt, und dort verkauft, und der mir erzählt, wie das Geschäft so läuft, und das momentan die Nachfrage nach Lkws und Bussen in Mauretanien steigt, weil durch die fertige Straße nach Nouakchott nun öffentliche Verkehrsmittel wie große und kleine Busse benötigt werden, da erstmals eine vernünftige Marokko-Mauretanien-Verbindung besteht.
In Ceuta erreiche ich mit dem letzten Tropfen Diesel die Tankstelle, an der ich schon vor 6 Jahren meinen VW-Bus vollgetankt habe, und mache diesmal wieder das Gleiche, es soll sich aber später herausstellen, daß das mittlerweile ein Fehler ist, weil der Diesel in morokko mittlerweile billiger ist, als in der zollfreien spanischen Enklave Ceuta.
Dieselpreis in Ceuta: 72 cent. In Marokko kostet der Liter aber nur ca. 7 Dirham, also 68cent.
Noch ein letzter Blick auf Ceuta, dann fahre ich an die Grenze:

Die Grenzabfertigung hat sich in den letzten 6 Jahren sowohl von der Erscheinung, als auch vom Ablauf her wesentlich gebessert. Die ehemalige Station ist stillgelegt, bzw. fungiert als Parkplatz, und die eigentliche Abfertigung ist jetzt rechts davon auf einem großen Gelände, das vor 6 Jahren noch unbebaut war. Hat die Prozedur letztes Mal ca 3 Stunden gedauert, so bin ich diesesmal in einer halben Stunde durch. Flüchtige Inspektion des FZ, Stempel in den Pass und auf den Laufzettel, und ich bin in Marokko!!
Die "Grenzguides" gibt es immer noch, aber das gehört einfach zu Marokko dazu, und ist nicht weiter schlimm.

Marokko und Westsahara

Mit bester Laune und einem riesigen breiten Grinsen im Gesicht fahre ich erstmals Richtung Rif-Gebirge, auf das ich sehr gespannt bin, da ich es beim ersten Marokkobesuch nicht ins Rif geschafft habe. Ziel soll fürs Erste Chefchauen sein, das ich leider erst bei Dunkelheit erreiche. Das Rifgebirge hat sich auf den Anbau, und auch auf den oft aufdringlichen Verkauf von Marhiuana bzw. Hasch spezialisiert, da damit wesentlich mehr Geld zu verdienen ist, als mit dem ursprünglich üblichen Obst. An vielen Hängen des Rif sieht man haufenweise Hanfplantagen, da der Anbau legal ist:

Ganz ungeduldig um 8 Uhr in der Früh breche ich auf in den hübschen Ort, und habe auch noch das Glück, daß gerade heute Markttag ist. Ich kaufe am Markt Oliven, setze mich vor eine kleine Straßenbude auf eine alte Holzkiste, die als Sitz und Tisch für Gäste dient, bestelle Brot und endlich wieder den fantastischen marokkanischen Minztee, und beobachte in seeliger Ruhe und vollster Zufriedenheit stundenlang das bunte Treiben. Ich schau nicht auf die Uhr, fühle mich in einer anderen Welt, und die ganze geballte Anspannung, die irgendwie in letzter Zeit an mir ein brauchbares Opfer gefunden hat, fällt mit einem Mal von mir ab.
Den ganzen Tag spaziere ich durch den Ort, und das umliegende Gebirge, treffe einige geschäftige Guides und Haschverkäufer, aber vorallem viele herzliche und sehr freundliche Menschen, die mir interessante Dinge über Chefchauen, das Rif, und die Berber erzählen.

Auf dem Campingplatz in Chefchauen treffe ich dann ein holländisches Pärchen mit einem Toyota Landcruiser mit großer Aufschrift: 4x4marokko.nl
Es stellt sich heraus, daß die zwei, Paul und Renate, die letzten 3 Jahre kreuz und quer durch Afrika unterwegs waren, und natürlich dementsprechende interessante Geschichten und Tips auf Lager haben. Paul hatte in Holland eine aufstrebende Firma, und Renate war Mittelschullehrerin. Die zwei haben dann eines tages alles aufgegeben, die Firma und ihr großes luxuriöses Haus verkauft, und haben sich auf den Weg nach Afrika gemacht. Nach drei Jahren sind sie zurück nach Holland, aber hielten es nur ein paar Wochen dort aus, und sind gleich wieder zurück nach Afrika gefahren. Sie wollen jetzt von Marakech aus 4x4-Touren durch Marokko anbieten. Ihren Afrika-Reisebericht gibt es auf ihrer Homepage: www.gewoongaan.nl
Ich werde sie in Marakech wiedertreffen, von wo aus wir gemeinsam eine Wüstentour durch den sandigen Süden machen werden.
GPS-Koordinaten Camping Azilan in Chefchauen: N 35° 10.561', W 5 ° 16.026'
In Chefchauen treffe ich mehrere Wohnmobilfahrer, die mir alle erzählen, daß sie den direkten Weg durchs Rif, trotz grandioser Landschaft, über Ketama und Taounate nach Fés, aufgrund der Warnung vor den Haschverkäufern und wilder Verfolgungsjagden gemieden haben, und über Umwege nach Chefchauen gekommen sind. In meinem Reiseführer ist ähnliches zu lesen.
Also beschließe ich: Das muß ich mir doch unbedingt anschauen, so schlimm kann es doch nicht sein!
Ich fahre also zuerst an der Mittelmeerküste an wunderschöner Steilküste mit vielen einsamen Buchten entlang, und biege bei El Jebha Richtung Ketama ab. Die Küste ist streng durch Militär bewacht, um den Drogen- u. Menschenschmuggel nach Spanien zu unterbinden. Entgegen dem Hinweis im Reiseführer wird es mir vom Militär nicht gestattet, in einer der vielen schönen Buchten zu übernachten. Die Militärs wirken sehr nervös, und verjagen mich sofort.

Bis auf 1700m führt mich der weitere Weg durchs Gebirge durch ursprüngliche Orte und Landschaft, vorbei bei zahlreichen Bauern und Viehhirten.

Auf der kleinen ausgefransten Straße von Ketama bis Taounate bekomme ich dann tatsächlich den "gefürchteten" Besuch von den Verkäufern, die sofort mit ihren Autos die Verfolgung aufnehmen.
Gleich im Vorhinein: Es ist halb so schlimm! Man darf sich nur nicht stressen lassen, allerdings schaue ich auf den ca. 30km, wo mir wirklich nachgefahren wird, in Wahrheit mehr in den Rückspiegel, als auf die Landschaft. Deshalb gibt es davon leider keine Fotos.Zweimal lasse ich mich überholen, und werde geschnitten und ausgebremst. Einen Gang zurück, vollgas, und links vorbei mit nur einigen Zentimeter Abstand zum Verfolger. Ich glaube, sie haben mit Ihren Pkw´s doch erheblichen Respekt vor der Größe meines Lkw, und bleiben erstmal stehen. Wenige Minuten später kleben sie mir aber wieder an der Stoßstange, nur diesmal hab ich daraus gelernt, und fahre in der Mitte der schmalen Straße ohne Überholmöglichkeit. Viele Kilometer schert der Verfolger aus, will links vorbei, dann wieder rechts, hupt, aus allen Fenstern des FZ´s hängen Marokkaner und schreien mir irgendwas zu, permanente Lichthupe, auch aller entgegenkommender Fahrzeuge. In diesem Gebiet lebt scheinbar wirklich jeder vom Marihuana-Anbau. Es gibt niemanden, der mir nicht zuruft, mich anhalten will, oder anhupt.
Wie gesagt, wenn man sich nicht stressen lässt, dann ist es eine wunderschöne Strecke, und auf jeden Fall sehenswert. Genauso plötzlich wie er anfängt, hört der Spuk dann auch wieder auf, und die weitere Fahrt wird wieder entspannter. Einige Polizeikontrollen bei der Ausfahrt aus dem Rif, die allesamt sehr freundlich sind, und sich freuen, wenn man seine paar Arabisch-Wörter verwendet.
Durch landschaftlich weniger interessante Landschaft gehts zügig weiter bis Fés. Viele Mopedguides wollen mich zum Camping International bringen. Es existiert eine richtige Camping-Mafia, denn die Hinweisschilder zum Camping Diamant Vert wurden tatsächlich alle von den Guides entfernt. Ich finde ihn dann auch ohne Schilder, und ohne Guide, allerdings nicht leicht. Die GPS-Position im Reise-Know-How-Marokko ist nicht vom Camping, sondern vom Parkplatz in der Innenstadt!!!
GPS-Koordinaten vom Camping Diamant Vert: N 33° 59.265', W 5 ° 1.114 '
Aufgrund vieler Hinweise auf die Notwendigkeit, nehme ich mir am nächsten Tag einen Führer für die Besichtigung von Fés. Ich kann das auch nur jedem empfehlen, der sich Fés etwas genauer ansehen will. Die Altstadt ist ein Labyrinth aus 1600 Gassen, die zum Teil so schmal sind, daß ich seitwerts durchgehen muß, weil die Schultern breiter sind, als die kleinen Gänge, und die wirklich interessanten Orte und Aussichtspunkte würde man alleine niemals finden. Mit dem Führer gehen wir durch schmale, dunkle Gässchen, durch Häuser durch, und hinten wieder hinaus, öffnen unscheinbare Türen und Tore, und befinden uns dann plötzlich wieder an interessanten Orten. In der Medina von Fés sind das ganz normale Wege. Besonders freue ich mich über die Besichtigung der Handwerksvierteln, bei den Töpfern der typischen, wunderschönen, und entsprechend teuren Fés-Keramik, und vorallem der Ledergerber, die unter unvorstellbaren Bedingungen diverse Häute zu den typischen marokkanischen Lederprodukten verarbeiten.

Auf dem Campingplatz in Fés repariere ich noch mit Schorsch, einem sehr netten Deutschen, der zum 20. Mal in Marokko ist, die Lichtmaschine bzw. den Regler des Magirus-Deutz eines belgischen Paares. Peter hat mir noch vor meiner Abfahrt ein altes "Fachbuch Kraftfahrzeugtechnik" von 1973 geschenkt, und in eben diesem finden wir doch tatsächlich noch die genauen Schaltpläne der alten Gleichstromregler, und können das Problem beheben! Danke Peter!:

Nach 6 Tagen in Fés breche ich auf nach Marakech, um meine holländischen Freunde zu treffen, allerdings will ich nicht auf der Hauptroute fahren, sondern durch den mittleren Atlas, auf dessen Bergen im Winter noch jede Menge Schnee liegt. Ich finde auf der Karte auch sofort eine, so scheint es, geeignete Strecke, die in meinem Führer als asphaltiert beschrieben ist, und mach mich auf den Weg.
Im Ort vor dem eigentlichen Beginn der Strecke frage ich nach dem Weg, und die Bewohner des Dorfes wollen mich doch glatt über einen riesen Umweg auf der Hauptstraße, über die ich ja hergekommen bin, zurückschicken, um Richtung Marakech zu fahren. Nein, nein, ich weiß das natürlich viel besser, und erkläre ihnen, daß es da eine direkte Straße geben muß. "Par la Foret?", (durch den Wald?), fragen sie ganz erstaunt, und daraufhin bekomme ich auch die gewünschte Auskunft. Ich fahre also fröhlich drauf los, und wundere mich, warum die mich einen riesen Umweg fahren lassen wollten, wenn es doch eine wunderbare, asphaltierte direkte Verbindung gibt. Durch wunderschöne Wälder und unberührte Landschaft schlängelt sich die Straße hinein in den mittleren Atlas:

Langsam dämmert mir, warum die bloß alle so komisch geschaut haben, als ich losgefahren bin. Von Asphaltstraße ist plötzlich keine Spur mehr, und je höher ich komme, desto mehr Schnee liegt hier.

Die weiterführende Piste geht hinauf auf 2400m, und ich habe Glück, daß ich die Strecke von Ost nach West befahre, denn die schneebedeckten Anstiege sind an den Osthängen durch die Sonneneinstrahlung befahrbarer, als die Gefälle an den sonnenärmeren Westhängen. Zum ersten Mal brauche ich wirklich den Allradantrieb, um manche Passagen zu meistern. Seltsamer Weise kommt mir auf den 100km auch kein Mensch oder Fahrzeug entgegen, allerdings ist an den Spuren zu erkennen, daß schon mal jemand hier gefahren ist, was mein Gefühl ein wenig besser macht.

Belohnt werde ich mit wunderschönen Ausblicken:

Auf dem Weg nach Marakech liegen auch noch mit 120m Höhe die höchsten Wasserfälle Marokkos, die Cascades d'Ouzoud, die ich mir ansehen will.
Kaum angekommen, marschiere ich auch schon los, zu den Fällen, und wie es so ist, habe ich natürlich sofort Begleitung von einem Guide. Dankend lehne ich ab, aber er läuft weiter mit, und so komme ich mit ihm ins Gespräch. Er erzählt mir von weiteren kleinen Wasserfällen weiter flußabwärts, und einer Höhle, durch die man hindurch, und am Ende über ein Loch, das nach Oben führt, wieder hinaus klettern kann. Also gebe ich meinen Plan auf, die Besichtigung alleine zu machen, und engagiere ihn, denn irgendwie klingt die Höhlenkletterei doch sehr verlockend. Wir wandern und klettern den ganzen Nachmittag durch die Schluchten, queren den reißenden Fluß, klettern durch Höhlen, plaudern, trinken am Rückweg in einem kleinen Cafe Tee, und dann bekomme ich auch noch einen der berühmten Affen hautnah vor die Linse. Karim, so heißt mein Guide, muß im früheren Leben eine Gemse gewesen sein. An einer besonders heiklen Passage übergebe ich ihm sogar zur Sicherheit meine Kamera, und jeder der mich kennt, der weiß was das heißt...

Am nächsten Tag besichtige und durchwandere ich noch eine Höhle bei Demnate, die als Naturbrücke bezeichnet wird, weil ein Fluß durchfließt, und oben direkt auf der Höhle eine Straße über die Schlucht führt.
Auf dem weiteren Weg komme ich noch an einem bösen Verkehrsunfall vorbei, wobei ein Auto einen der vielen Mopedfahrer, die allesamt ohne Helm, und auch ohne besondere Vorsicht vor den anderen Verkehrsteilnehmern unterwegs sind, frontal erwischt hat. Der Mopedfahrer liegt unter dem Auto, und bewegt sich etwas, lebt also noch, doch die vielen Marokkaner, die rundherum stehen, wollen, oder können nicht wirklich helfen, und so stehen sie nur da, und schauen. Ich überlege mir noch, ob ich irgendwie helfen kann, allerdings fällt mir nur die stabile Seitenlage ein, in der er sich aber schon befindet, und so fahre ich weiter. Meine holländischen Freunde erzählen mir nachher, daß man leider in Afrika in so einem Fall nie anhalten sollte, denn sonst ist man in den meisten Fällen plötzlich der Schuldige, und alle Herumstehenden könnten das bezeugen.
Auf dem Campingplatz treffe ich also Paul und Renate wieder, und am Abend machen wir uns auf den Weg in die Stadt um auf dem bekanntesten Platz Marokkos, auf dem Djamaa el Fna, mit seinen Wasserverkäufern, Akrobaten, Märchenerzählern und Händlern abendzuessen. Ein wahres Erlebnis, mit riesen Trubel und Eindrücken. Abends ist der Platz übersäht mit Essenständen und deren Köchen und Verkäufern, die in einer riesigen Dunstwolke mit viel Geschrei und Schauspiel ihre Köstlichkeiten anbieten. Es gibt herrliches Essen zu günstigen Preisen.

Zeitig in der Früh brechen wir am nächsten Tag auf Richtung Süden, um endlich wirklich in die Wüste zu fahren. Der Weg führt uns zuerst noch durch den Hohen Atlas, wo ebenfalls noch etwas Schnee liegt:

Auf der südlichen Seite des hohen Atlas ändert sich die Landschaft dann schlagartig, wir kommen der Wüste näher, denn es gibt hier kaum mehr Bewuchs, und alles wirkt eintönig bräunlich.
Ab und zu fahren wir durch kleine Oasen mit Palmen und grünen, bewirtschafteten Feldern:

Bis M'Hamid fahren wir noch auf der Teerstraße, dann hört sie auf, und es führt nur noch eine sandige Piste hinein in die Wüste. Wir haben etwas Pech, denn in M'Hamid weht ein starker Wind mit viel Sand, und gerade als wir losfahren, kommt eine deutsche Geländewagengruppe, die zuvor losgefahren ist, retour in den Ort. Durch den Sandsturm haben sie sich zur Umkehr entschieden. Wir beschließen trotzdem, raus zu fahren, und gegebenenfalls den Sturm in der Wüste abzuwarten, falls ein vorankommen nicht möglich wäre.
Dank GPS fahren wir trotz Sandsturm, wie in einer dicken Nebelsuppe, ohne Probleme unsere gedachte Route, und nach einiger Zeit nimmt der Wind ab, und es wird schöner:

Auf sandiger Piste führt uns der Weg noch an einer kleinen Quelle vorbei, wo Nomaden Ihre Zelte aufgeschlagen haben:

Und dann, endlich, erreichen wir das erste richtige Dünengebiet, und zum ersten Mal kann ich machen, auf was ich schon so lange gewartet habe und gespannt war: Dünenfahren!
Wie ein kleines Kind freue ich mich, und fahre kreuz und quer, rauf und runter durch die Dünen.

Renate hat ein kleines Video davon gemacht:

Paul, der schon sehr gespannt war, ob mein Lkw, voll beladen mit 8,5 Tonnen überhaupt sandtauglich sei, ist ganz begeistert, uns sagt im nachhinein, er hätte nie gedacht, daß man mit dem Ding wirklich quer durch die Dünengebiete fahren könne. Am Abend nachdem wir uns einen schönen Platz für die Nacht gesucht haben, zeigt er lachend auf meine am Auto befestigten Sandbleche, und meint: "Die wirst Du wahrscheinlich nie brauchen!"
An diesem Abend erlebe ich auch alles das, was mir immer über eine Nacht in der Wüste erzählt wurde: Den wunderschönen Sonnenuntergang, die unbeschreibliche Stille, und den einzigartigen Sternenhimmel.
Ich habe mir die Wüste immer sehr schön vorgestellt, aber in Wirklichkeit ist sie noch viel einzigartiger, als ich mir das gedacht habe!!
Am nächsten Tag fahren wir weiter, wir sind jetzt ca. 100km von der Zivilisation entfernt, und durchqueren auf unserem Weg wieder ein wunderschönes Dünengebiet. Auf dem nächsten Foto kann man meine Spuren über die Dünen bis weit nach hinten zurückverfolgen:

Irgendwann, in einer Senke zwischen zwei Dünen, mache ich dann einen kleinen Fahrfehler. Um die Dünen auch wirklich im rechten Winkel zu überqueren, was nötig ist, um nicht im weichen Sand mit dem Fahrzeug umzukipppen, schlage ich die Lenkung voll ein, und überfahre dabei mit dem rechten Rad ein Kamelgrasbüschel. Die dabei auftretenden Kräfte sind leider stärker als meine Spurstange, ich höre nur noch ein knirschen, und fühle starken Widerstand. Das Resultat davon sieht man auf dem nächsten Foto. Die Vorderräder stehen ca. im 40 Grad-Winkel auseinander. Zu Beachten ist auch die Spurstange, die normalerweise gerade ist, und eigentlich aus dieser Sicht nicht ersichtlich hinter der Achse liegt:

Mit Improvisationsmaterial, Sandblechen, Spanngurten und Wagenheber kann ich die Spurstange an Ort und Stelle wieder halbwegs geradebiegen, um die weiteren 150km bis zur nächsten Oase fortsetzten zu können:

Dort angekommen, finde ich auch sofort einen Schlosser, der geeignetes Material hat, um meine krumme Spurstange nicht nur geradezubiegen, sondern auch gleich zu verstärken, damit das Gleiche nicht gleich wieder passiert. Vom Ergebnis der Arbeit bin ich schlußendlich überzeugt, allerdings muß ich ihm jeden Handgriff erklären und anschaffen, denn Probleme werden in Afrika eben normalerweise afrikanisch gelöst, was nicht unbedingt den europäischen Erwartungen einer vernünftigen Reparatur entspricht. Nach einigen Diskussionen macht er die Arbeit dann so, wie ich mir das vorgestellt habe:

Nachdem ich alles schön lackiert, wieder eingebaut, und die Spur eingestellt habe, fahren wir schön langsam wieder Richtung Norden, auf einer schönen Piste durch weniger sandige Gegend, und passieren dabei sehr ursprüngliche, untouristische kleine Ortschaften.
Wie immer, wenn man kurz anhält, versammelt sich das halbe Dorf um uns, um die seltsamen, fremden Leute zu betrachten. Jedesmal werden wir zum Tee oder zum Essen eingeladen, was aber jedesmal einige Stunden in Anspruch nimmt, daher können wir die Einladungen leider nicht jedesmal annehmen:

Manche Ortschaften sind scheinbar nicht für einen Lkw-Transitverkehr geeignet, und es wird manchmal verdammt eng!Dann heißt es Spiegel einklappen und hoffen, daß es nicht noch einger wird:

Auf der weiteren Strecke, die uns dann schließlich wieder nach Ouazzazate führt, erwische ich wiedereinmal bei mittlerer Geschwindigkeit drei hintereinanderliegende Bodenwellen, die genau in der Federfrequenz der hinteren ungedämpften Achsfederung liegen, und hebe dabei laut Paul drei mal ca. einen Meter hoch mit dem Fahrzeugheck ab. Die Belastung dabei ist so hoch, daß auch die Fahrerhausfederung maßlos überlastet ist, und die Kabine hinten gegen den Koffer schlägt. Ich beschließe also, daß meine nächste Aufgabe die Beseitigung der Federschwachpunkte sein wird.

Zügig geht es dann zurück Richtung Marrakech, wo ich erstens versuchen will, passende Dämpfer für meine Hinterachse aufzutreiben, und zweitens meinen neuen Co-Piloten vom Flughafen abholen werde.
Es ist der 4.März um 13.15Uhr, und eigentlich sollte der Flieger aus Südafrika gerade gelandet sein, aber ich warte und warte......
Zwei Stunden später, die ich mit mehreren Wartenden verbringe, tut sich dann plötzlich etwas in der Ankunftshalle, und tatsächlich, nach weiterer Wartezeit, taucht auch meine neue Reisebegleitung auf, und freudig nehme ich sie in Empfang.
Für diejenigen, die mich näher kennen, will ich den Überaschungseffekt nicht vorwegnehmen, daher einfach mal ein Foto. Seht mal, wer da ist:

Ab jetzt sind wir, Steffi und meine Wenigkeit, also zu zweit unterwegs!!

Weil ich so ein guter Gastgeber bin, zeige ich Steffi am ersten Tag natürlich sofort die wichtigsten, sehenswertesten Plätze in Marrakech: Das Viertel mit den Lkw-Schrottplätzen, und marrakech's beste Lastwagen-Werkstatt!
Und weils so schön ist, verbringen wir dort gleich den ganzen Tag in einer Suppe aus Öl und Fett, und wie ich es mir so gedacht habe, ist das für Steffi natürlich ein faszinierender erster Eindruck von Marokko, und sie ist, wie sich das jeder vorstellen kann, ganz begeistert! ;-)

Grund für meine Sightseeing-Tour ist, daß es die Mechaniker in besagter Werkstatt tatsächlich geschafft haben, passende Stoßdämpfer für meine Hinterachse aufzutreiben, nachdem ich die Tage vor Steffi's Ankunft mit der Suche nach eben solchen verbracht habe, und sie nach vereinbartem Termin, der auf Steffi's ersten Tag fällt, auch einbauen.
Den ganzen Tag arbeiten 4 Mechaniker wirklich fleißig und fachkundig an meinem Lkw. Neben den Dämpfern, beauftrage ich sie auch mit der Verstärkung der Fahrerhausfeder, was auch gleich als Erstes in Angriff genommen wird. Da der Werkstattmeister, Omar, nur Berberdialekt spricht, und so eine Verständigung nur über mehrere Leute als Dolmetscher möglich ist, kann ich meine genauen Vorstellungen über die Art der Verbesserung nicht Wort für Wort wiedergeben, sondern eher mit Hand und Fuß zum Ausdruck bringen, was das Problem ist, und was in etwa dagegen unternommen werden soll. "Pas'd problem!", Klar! Was denn sonst?
Nach kurzer Zeit haben sie, wie sie meinen, das Problem auch schon gelöst, und wollen einfach ein Abstandsstück zwischen die zu schwache Feder und das Fahrerhaus schrauben, denn dann wäre ja wieder mehr Abstand zwischen der Kabine und dem Koffer......
Nein, nein, so machen wir das sicher nicht, gebe ich ihnen sofort zu verstehen! Sie sind ganz verwundert, warum ich mit ihrer so glänzenden Reparaturidee so ganz und garnicht einverstanden bin, also erkläre ich ihnen, daß man die Feder selbst mit einem zusätzlichen Federnblatt verstärken muß. So eine Feder gibt es in Marokko nicht, wird mir gesagt, also versuche ich wieder mit viel Gestik ihnen klar zu machen, daß man doch eine normale Autofeder nehmen könnte, sie in Länge und Breite abschneiden, zusammen mit den alten Federn etwas aufsprengen, und dann ins vorhandene Paket einbauen könnte, denn dann wäre sie vernünftig verstärkt, und möglicherweise wirklich pistentauglich. Ahhhh, das geht natürlich auch! Eine Federnblatt wird organisiert, und die nächsten zwei Stunden flexen, schleifen und schmieden abwechselnd drei Mechaniker an dem guten Stück, bis es schließlich perfekt in das alte Paket passt, eingebaut wird, und ich mit dem Ergebnis wirklich zufrieden bin.
Den Rest des Tages werden Konsolen und Querstreben für die neuen Dämpfer gebaut, und am Abend ist tatsächlich alles fix und fertig zusammengebaut, lackiert, und der Gastank versetzt, der aus Platzgründen den Dämpfern weichen mußte.
Die Leute dort machen wirklich, zumindest unter Anleitung, gute, fleißige Arbeit zu günstigen Preisen, daher kann ich diese Werkstatt nur weiterempfehlen!:

F.P.R3 Sarl
449 BIS, Lot Feraille - Azzouzia - B.P.5073 - Iziki
Tel: 044 33 51 75, GSM: 061 26 99 37 - Marrakech
Ansprechpartner: Omar(spricht aber nur Berber), oder Hassan Bouryal

Die Dämpfer sind übrigens von einem geschrotteten Militär-Lkw, und voller Begeisterung habe ich nach genauerem Hinsehen festgestellt, daß es sich dabei um richtig gute Heavy Duty Dämpfer von Koni in sehr gutem Zustand handelt, die ich mir in Europa wahrscheinlich nie hätte leisten können.
Hier das Ergebnis:

Auf dem Campingplatz in Marrakech treffen wir noch ein paar "erfahrene", "vielwissende" Afrikafahrer, die gerade aus Westafrika zurückkommen, die uns noch einige richtig gute Tips mit auf den Weg geben!
Einer dieser grandiosen Tips ist es, sich bei Problemen als Journalist auszugeben, was dann alles einfacher und schneller machen würde.
Da wir gerade aufbrechen, um nach Casablanca zu fahren, um unsere Visa für Mauretanien zu besorgen, kommen uns diese Hinweise natürlich sehr gelegen!
Auf direktem Weg fahren wir nach Casa, wo wir am nächsten Tag das Visa beantragen, und genau dabei mache ich leider einen ganz dummen Fehler, indem ich auf den Antrag bei Beruf "Journalist" schreibe. Während ich das fatale Wort schreibe, und kurz darüber nachdenke, kommen mir zwar noch erhebliche Zweifel, ob das jetzt wirklich förderlich sei, aber da steht es schon schwarz auf weiß auf meinem Zettel, und ich kann es vor den Augen der Leute dort schlecht wieder rückgängig machen, also gebe ich den Antrag ab. Der zuständige Herr fragt mich noch, wofür ich denn schreibe, also sage ich ihm, eigentlich ganz ehrlich: www.offroadtrucks-austria.com.
Damit ist der Fall auch schon erledigt, und wir sollen am nächsten Tag um 10 Uhr unsere Visa abholen, heißt es.
Voller Euphorie mache ich auf dem Campingplatz in Casablanca noch ein größeres Service am Auto, tausche alle Filter, und stelle die Ventile ein, um für die weitere Fahrt nach Mauretanien gerüstet zu sein. Diese Arbeit dauert den nächsten Tag auch noch an, daher geht Steffi alleine zum mauretanischen Konsulat, um unsere Pässe zu holen.
Ihr Blick bei Ihrer Rückkehr sagt leider schon alles aus. Das Konsulat gibt uns kein Visum, da zuerst irgendetwas in Bezug auf meine journalistische Arbeit untersucht werden muß!!!
Es ist Freitag, und daher müssen wir bis Montag 12 Uhr warten, dann bekommen wir unser Visum, heißt es wieder einmal. Damit will ich mich nicht abfinden, also nehme ich meinen Laptop auf der die Homepage gespeichert ist, und gehe zum zuständigen Herrn Mohammed im Konsulat, um ihm zu zeigen, daß das alles eine private harmlose Website ist. Jener Herr Mohammed ist sehr freundlich, will meine Homepage aber garnicht sehen, da das nicht seine Arbeit wäre, telefoniert kurz mit jemandem, den er ganz ehrfürchtig am Telefom mit "Excellenz" anspricht, um mich im Endeffekt ebenfalls auf Montag 12Uhr zu vertrösten.
Nun, gut, dann halt bis Montag warten. Da es uns beiden in Casablanca nicht gut gefällt, beschließen wir, das Wochenende irgendwo außerhalb Casablanca's zu verbringen, und finden schließlich auch einen herrlichen Platz direkt am Meer mit schönem Strand, wo wir ganz ungestört in aller Ruhe bis Montag bleiben:

Überpünktlich am Montag um 11Uhr statten wir also unserem Freund Mohammed im Konsulat den langersehnten Besuch ab, um unsere Visa abzuholen. Nein, es sei eine Stunde früher als ausgemacht, das wäre nicht möglich, also bis 12Uhr warten. Gut, also warten wir.
Als es 12Uhr schlägt, stehen wir wieder bei Mohammed in der Türe. Er greift zum Telefon, ruft wiedermal seine "Excellenz" an, und an seiner Tonlage erahne ich schon das Ergebnis: Wir bekommen kein Visum, aber wir könnten ja warten! Wie lange denn noch, frage ich. "in sha allah", so Allah will, ist seine grandiose Antwort, und langsam bekomme ich einen dicken Hals.
Desweiteren klärt er uns auf, daß nicht mein angegebener Beruf der Grund der Verweigerung sei, sondern der Antrag einfach so, ohne Angabe von Gründen, denn darüber müßten sie keine Auskunft geben, verweigert wird.
"In sha allah" Nur Allah weiß warum!! , wiederholt er, und mein Hals wird immer dicker!!
Ganz locker mit einem Grinsen im Gesicht meint er zu uns auf die Frage was wir denn jetzt machen sollten, wir könnten ja zurückfahren wo wir hergekommen sind!
Damit ist meine Gelassenheit und Freundlichkeit an einem Ende angelangt, der Hals platzt, ich erkläre ihm noch mit einer, meiner Erregung entsprechenden Beherrschung, daß ich für diese Sache jahrelang gearbeitet habe, mittlerweile 6.000 km hierhergefahren bin, und mich daher unverständlicherweise nicht so einfach mit einem "in sha allah" abfinden kann, einfach umdrehen, und wieder nach Hause fahren werde.
Wir könnten ja direkt an der Grenze das Visum kaufen meint er, denn die Verweigerung in Casablanca würde dort scheinbar nicht aufscheinen.
Da fahren wir extra nach Casablanca,und warten 5 Tage sinnlos auf ein Visum, das wir nur deswegen nicht bekommen, weil Allah gerade nicht will!?!? Da muß man erst einmal cool bleiben.
Wir nehmen unser Geld fürs Visum retour, und auch die Passbilder wollen wir ihnen nicht schenken und verlangen sie zurück, und machen uns in entsprechender Laune auf den Weg Richtung Süden.

Ein paar interessante GPS-Koordinaten in Casablanca:
Mauretanisches Konsulat: Rue El Jadida, N 33° 33.715', W 7 ° 38.684'
Campingplatz gleich beim Konsulat: N 33° 34.004', W 7 ° 38.754'
Mercedes-Niederlassung in Casablanca mit Ersatzteilverkauf: N 33° 31.492', W 7 ° 41.04 '

Wir beschließen, ohne große Umwege über die Küste, die ich ja von meinem letzten Marokkobesuch noch ganz gut kenne, bis zur mauretanischen Grenze zu fahren. Dabei kommen wir an Essauira vorbei, das zwar unter jungen Rucksacktouristen einen hervorragenden Ruf hat, aber ich vom letzten Mal eher negativ in Erinnerung habe, und daher spazieren wir nur kurz durch die Medina, und fahren bald wieder weiter.
Da ich unbedingt nach Sidi Kauki will, von dem mir sehr viele Leute erzählt haben, welches nur 25km von Essauira entfernt ist, schau ich auf meine Karte, und sehe, daß sich zwischen den zwei Orten eigentlich nur ein Kap befindet, welches von einem, als besonders sehenswert gekennzeichneten Sanddünenfeld umgeben wird.
Jetzt wird mir auch klar, warum man hier überall Quads mieten kann, nämlich um durchs Dünenfeld ans Kap zu fahren. Geländewagen sind auch auffallend viele zu sehen, daher beschließen wir, durch den Sand nach Sidi Kauki zu fahren.
Schnell finden wir eine große, noch sehr steinige Piste, die zunehmend immer Sandiger wird, und meine Laune wird schlagartig besser:

Herrlich ruhig ist es hier. Kein Mensch kommt uns entgegen, und die Piste führt immer sandiger direkt am Meer entlang.
Wir passieren einen Punkt, wo die Piste eine Schleife macht, also einen Umkehrpunkt darstellt, und von da an wird der Weg zunehmend immer schmäler, und wird offensichtlich nur mehr von Quads befahren.
Als die ersten Sandfelder vor uns auftauchen wird mir klar, daß hier bestimmt keine Geländewagen mehr herfahren, denn die Quadspuren führen in einer derartigen Schräglage durch das Feld, die kein normaler Wagen fahren könnte, ohne umzukippen. Alles kein Problem, wir suchen uns einen eigenen Weg, und mit mehrmaligem Luftablassen sind auch die teilweise sehr weichsandigen Abschnitte gut befahrbar.
Anspruchsvoll an die Spurwahl, aber traumhaft schön, gehts weiter immer Richtung Kap. Die Quadpiste kann ich nur äußerst selten befahren, da sie viel zu schmal ist, und alle Richtungsänderungen steilkurvenartig ausgefahren sind, so daß wir mit dem Lkw umkippen würden.
Ich wundere mich, warum die Geländewagenunternehmen hier keine Touristengruppen herkarren, wie das sonst in den Dünengebieten Marokkos immer der Fall ist, insbesondere weil es doch wirklich schön hier ist, sondern nur Quadspuren zu sehen sind.

Dann erreichen wir das große Dünengebiet, das in der Karte eingezeichnet ist:

Ganz am Kap direkt am Strand erkenne ich einige Hütten, und gehe davon aus, daß die vermeintlichen Touristenscharen über das Kap, auf dem ein Leuchtturm zu sehen ist, ins Dünengebiet befördert werden, und stecke mir die Hüttensiedlung als Anhaltspunkt.
Durch extrem weichsandige Stellen, durch die wir zum Teil nur noch mit aller Anstrengung jeden verfügbaren Pferdes unter der Motorhaube ohne Bleche durchkommen, suchen wir uns, teilweise immer wieder zu Fuß, einen fahrbaren Weg zu jenem "Dorf". Teilweise sind die Abfahrten sehr steil und lang. Die letzten Meter fahren wir noch direkt im Spülsaum am Strand entlang ins Dorf, daß sich bei unserer Ankunft als Ruine ehemaliger Steinhütten entpuppt. Kein einziger Mensch ist hier zu sehen, ganz zu schweigen von den gedachten Touristenscharen, oder einer Art Piste zum Leuchtturm.
Der Strand ist ab dem Kap nicht mehr befahrbar, da er zu einer Steilküste wird, also fahren wir weiter durch diese wahnsinnig ruhige und verlassene Gegend in Richtung Sidi Kauki.
Schlagartig ändert sich dann plötzlich die Landschaft. Das Dünenfeld geht von einem Meter auf den Anderen in eine karstig Steingegend über, und wir steigen wieder einmal aus, um einige Kilometer lang zu Fuß nach einer befahrbaren Piste zu suchen, die wir aber nicht finden. Es existiert hier einfach keine Piste, und ich wundere mich wiedereinmal, warum es von dem relativ nahen großen Leuchtturm, der von einer festungsartigen Mauer umgeben ist, keine Piste ins Dünengebiet gibt, um die Touristen anzukarren. Der einzige Weg, den wir finden, ist ein Eselspfad, der den Spuren nach manchmal mit Quads befahren wird, und der schmal und steinig irgendwann auf einen ebensoschmalen, von Quads wiedermal steilkurvenartig ausgefahrenen Weg trifft, der nach oben zum Leuchtturm führt.
Wir sind zwar nicht begeistert von dem Weg, aber aufgrund fehlender Alternativen nehmen wir ihn in Angriff, um zum Leuchtturm zu gelangen, zu dem ja zwangsläufig aufgrund seiner Größe irgendeine Piste führen muß, die dann ins nächste Dorf führt. Es führt zwar ein weiterer Eselspfad weiter dem Küstenverlauf entlang, der aber noch unbefahrbarer wird, daher beschließen wir eben, zum Leuchtturm zu fahren:

Weiter hinauf Richtung Leuchtturm wirds immer schlimmer. Die einzig halbwegs fahrbare Möglichkeit ist in der sandigen Quadpiste, die sich schlangenförmig den Berg hinaufschlängelt. Eigentlich gehts niemals wirklich geradeaus. Es geht von einer Steilkurve in die nächste über, und jede dieser Kurven ist eben auch nur so breit wie ein Quad, also viel zu schmal für meinen Lkw. Dadurch müßen wir immer mit dem kurvenäußeren Rad am höchsten Punkt fahren, um mit den inneren Rädern halbwegs die Kurve zu kratzen. Einige Male entsteht dabei ein derartiger Schrägstand, daß ich mich wundere, warum wir nicht kippen. Leider gibt es auch aufgrund von starkem Baumbewuchs keinerlei Möglichkeit, sich abseits der Piste einen Weg zu bahnen. Also müssen wir einfach in der Bobbahn weiterfahren.
Meter für Meter kommen wir weiter dem Ziel entgegen, und sind ungefähr 200m vom Leuchtturm entfernt, als es mitten in einer dieser viel zu schmalen Kehren laut zischt, und ich im Rückspiegel irgendwas gasförmiges mit viel Druck entweichen sehe.
Weil das Ganze bei wiedermal bedenklichem Schrägstand passiert, fahre ich trotzdem weiter aus der Kurve raus, ohne wirklich zu wissen, was der Grund dafür war, als ich von der Steffi schon die erfreuliche Auskunft bekomme: Der rechte Hinterreifen ist platt!
Na wunderbar, 200m vorm Ziel!

Auf der Kurveninnenseite mußte ich einen Busch überfahren, um durchzukommen, und dabei hat ein abgebrochener, scharfer Ast den Reifen von der Felge bis zum Profil komplett durch aufgeschlitzt.
Also Reifen wechseln, d.h. Ersatzreifen runter vom Dach, und den Kaputten wieder rauf aus Dach. Ich muß lachen, denn nun brauche ich zwangsläufig eine Antwort auf die mir am häufigsten gestellte Frage überhaupt: "Wie bekommst Du die Reifen ohne Stapler aufs Dach?"
"Keine Ahnung, vielleicht an einem Baum hochziehen, und mit dem Auto drunterfahren. Das überlege ich mir dann, wenns soweit ist!", habe ich immer darauf gesagt.
Das Ersatzrad ist schnell vom Dach geschmissen, und gewechselt, soweit kein Problem.
Dann plötzlich, mitten während der Arbeit, kommt ein Marokkaner auf einem Esel angeritten, mit dem wir natürlich ins Gespräch kommen. Es stellt sich heraus, daß er der Leuchtturmwart ist, und gerade ins nächste Dorf unterwegs ist. Wir erzählen ihm, daß wir eigentlich nur zur Leuchtturmstraße wollen, um ins nächste Dorf zu gelangen, worauf er uns ganz verwundert ansieht, und meint, daß der Weg, auf dem wir hier heraufgefahren sind, der einzige ist, der zum Leuchtturm führt, und er der einzige Mensch hier ist......
Steffi und mir verschlägt es kurz den Athem, wir sehen uns an, und fangen an zu lachen.
Die ganze Tortur und ein aufgeschlitzter Reifen, um im Endeffekt das Gleiche nochmal retour zu fahren?
Er erklärt uns, daß nur jener Eselspfad, den wir zuvor an der Küste gesehen hatten, ins nächste Dorf führt, und dies die einzige Möglichkeit sei, da eine Fahrt Richtung Essauira, von wo wir ja hergekommen sind, unmöglich sei.
Nein, nein sage ich, von da kommen wir ja her! Ungläubig sieht er uns an, glaubt an ein Mißverständnis, schüttelt nochmal lachend den Kopf, und wiederholt: "No, no, c'est pas possible!"
Als ich ihm klarmache, daß wir wirklich von Essauira durch die Dünen hierher zu seinem Leuchtturm gefahren sind, streckt er uns erstaunt und bewundernd die Hand entgegen, und gratuliert uns zu dieser Leistung.
Damit ist auch endgültig klar, warum hier keiner der vermeintlichen Touristen anzutreffen war!

Nachdem wir also den kleinen Schock verdaut haben, und auch das Ersatzrad montiert ist, heißt es überlegen, wie wir den kaputten Reifen nun wirklich aufs Dach bekommen.
Die Idee mit dem Baum wäre theoretisch ja nicht schlecht, allerdings bräuchte man dazu auch einen Baum in entsprechender Größe, und der Höchste in Sichtweite mißt maximal 2m, also eigentlich zu niedrig um einen 130kg-Reifen 3,5m hoch zu heben.
Wir probieren also, den Reifen vom Dach aus zu zweit mit 2 Gurten hochzuziehen, allerdings mit mäßigem Erfolg. Ca. 10cm schaffen wir! Nein, so gehts also auch nicht!
Aber im Endeffekt, allen Unkenrufen zum Trotz, bekommen wir den Reifen wirklich wieder hinauf, und ich hab endlich eine praxiserprobte Antwort auf die so häufige Frage:
Man zerlegt einfach das Rad in alle erdenklichen Einzelteile, d.h. Felge, Sprengring, Schlauchband, Schlauch und Reifen, zieht jedes Teil extra zu zweit mit Gurten aufs Dach, und baut das Ganze dann Oben wieder zusammen:

Als wieder alles fertig und das Werkzeug verstaut ist, wird es gerade dunkel,und daher ist an eine Weiterfahrt nicht zu denken. In diesem Moment kommt unser Leuchtturmwärter Hassan wieder zurück, und ladet uns ein, beim Leuchtturm zu übernachten. Diese Einladung nehmen wir natürlich an, und haben einen wunderschönen, exklusiven Stellplatz, an dem mit Sicherheit noch nicht viele Leute mit einem Fahrzeug gestanden sind. GPS: N 31° 23.869', W 9 ° 49.728'
Wir bekommen eine private Besichtigungstour auf dem Leuchtturmgelände, daß die Franzosen 1917 erbaut haben, und werden auch dort in Hassans Wohnung eingeladen, wo er uns dann Tee, Brot mit Öl, und hausgemachte Kekse aufwartet. Es ist eine wirklich nette Bekanntschaft die wir mit ihm machen, und wir haben trotz gröberer Verständigungsschwierigkeiten großen Spaß miteinander. Nachher laden wir ihn auch zu uns ins Auto ein, und Hassan ist ganz begeistert von der Gnaua-Musik, die ich aus Cheffchauen mitgebracht habe. Es ist eine Freude, ihm zuzusehen, wie er jedes Lied mit voller Leidenschaft mitfühlt. Leider hat Hassan keinen CD-Player, denn sonst hätte ich sie ihm gerne geschenkt. Voller Begeisterung übersetzt er uns den Text der Lieder so gut es geht auf Französisch, und ist ganz verzweifelt, wenn er nicht die pasenden französischen Wörter dafür findet, und wir ihn nicht verstehen.

Hassan dürfte wirklich große Freude mit unserem Besuch haben, denn er schenkt uns nicht nur eine hübsche versteinerte Muschel die als Aschenbecher dient, sondern als er am nächsten Morgen vom Fischen retourkommt, bietet er uns auch noch eine der wenigen kleinen Krabben an, die er gerade gefangen hat, die Steffi aber dankend ablehnt, da der gesamte Fang maximal für ihn selber als Mahlzeit reichen würde. Später, bei unserer Verabschiedung, nimmt er noch seinen Strohhut ab, und streckt ihn Steffi als Abschiedsgeschenk entgegen. Es ist wirklich unglaublich, wie herzlich manche Leute sein können! Selber besitzen sie fast nichts, und schenken mit großer Freude sogar das noch her, was sie selber am Körper tragen, nur um Anderen eine Freude zu bereiten!
Als Gegenleistung schenken wir ihm noch Zigaretten, und vorallem, Hassan dem Musikliebhaber, von Reinhard Fendrich "Die größten Hits", worüber er sich besonders freut.
Ich muß lachen, wenn ich daran denke, wie Hassan jetzt in seinem Leuchtturm hockt, marokkanischen Tee trinkt, und aus seiner Anlage "Autofriedhof" und "Es lebe der Sport" dröhnt!

Da wir keine Lust haben, den gestrigen Weg hinunterzufahren, suchen wir zu Fuß nach einer anderen Möglichkeit durchs Gebüsch hinunter an den Eselsweg, und werden auch fündig. Wesentlich einfacher als hoch, fahren wir diesmal abseits der Bobbahn zigzag durch die Steppe bis zu jenem Trampelpfad, den wir nun noch bis ins nächste Dorf zu meistern haben.
Da die Eseln, die diesen Weg benutzen, meistens doch schlanker sind, als ein Lkw, müssen wir uns unsere Piste teilweise eben selber bauen, bzw. schaufeln, um durchzukommen:

Durch trialartige Passagen hindurch, erreichen wir tatsächlich den nächsten Ort und doch etwas erleichtert die Teerstraße nach Sidi Kauki, wo wir am Strand relaxen, in der Sonne baden, und schwimmen gehen.

Noch am gleichen Tag brechen wir weiter nach Süden auf, und erreichen fast bei Dunkelheit den mir von meinem letzten Besuch noch so bekannten Ort Tarazoute, auf dessen Veränderung in den letzten 6 Jahren ich sehr gespannt bin.
Den wunderschönen Platz, auf dem ich damals mit meinen Freunden Andi und Gerri 3 Wochen lang gestanden habe, erkenne ich kaum wieder, denn auf der ehemaligen Felsplatte, auf der wir jeden Tag gesessen sind, um den Surfern und Wellen zuzusehen, steht nun ein Hotelkomplex!
Das nächste Foto habe ich speziell für Andi gemacht, denn es zeigt das neue Hotel direkt auf "La Source". Die nette Bucht ist durch das Gebäude fast nicht mehr zu sehen:

Auf dem ehemaligen Platz, von dem noch ein großer Teil übriggeblieben ist, stehen diesmal nur 2 Autos mit jungen Surfern. Auf die Frage hin, ob das Campen hier nun wirklich verboten sei, wie ich so oft gehört habe, erzählen sie mir, daß man polizeilich keine Probleme hätte, aber daß es wiederholt an eben jenem Platz zu Raubüberfällen gekommen sei, wobei in der Nacht Betäubungsgas in die Fahrzeuge gesprüht wurde, um dann in aller Ruhe neben den "schlafenden" Fahrzeugbesitzern die Autos leerzuräumen. Einer der unerschrockenen Surfer, die trotzdem dort campieren, zeigt uns Fotos von einem Wohnmobil welches ausgeraubt wurde, während er selber einige Meter daneben geschlafen hatte. Er zeigt uns die herausgeschnittenen Fenstergummis, die am Boden verteilt lagen, und fotografierte Fußabdrücke der Banditen.
Ich kann es kaum glauben. Vor sechs Jahren haben wir hier bedenkenlos mit offenenstehenden Türen geschlafen!
Naja, wir übernachten trotzdem aus nostalgischen Gründen dort, da ich der Meinung bin, daß es wohl ein zu großer Aufwand wäre, irgendwie Gas in unseren Aufbau zu sprühen. Da müssten sie schon mit Leitern anrücken, um dann eines der Aufbaufenster einzuschlagen, um Gas ins Innere zu befördern, und das scheint mir relativ unwahrscheinlich.
Am nächsten Morgen, während wir gerade Tee machen, höre ich plötzlich ein allzu vertrautes Geräusch. Ein Marokkaner in Levis-Jean und modischer Sonnenbrille kommt mit einem knatternden Moped auf den Platz gefahren, und ich traue meinen Augen kaum, als ich erkenne, daß es sich dabei um Mohammed handelt, den ich noch gut von letztem Mal kenne, da er schon damals jeden Tag auf unseren Platz gekommen ist, um mit den Touristen seine Geschäfte zu machen!
Jeder, der meine Geschichten aus Marokko kennt, hat mit Sicherheit viele der lustigen Erzählungen über "Mach ich keine Beschise-Scheise-Mohammed" gehört, und ich freue mich riesig, ihn tatsächlich, genauso wie vor 6 Jahren, auf seinem kleinen, laut knatternden Moped, wie immer top modisch und cool, wiederzusehen.
GPS-"La Source": N 30° 32.825', W 9 ° 42.398'

Leider hat Tarazoute mittlerweile viel von seinem ehemaligen Reiz verloren, und so brechen wir noch am gleichen Tag auf, um weiterzufahren.
Wir kommen noch bis Sidi Ifni, wo es einen schönen Campingplatz gibt, der mit 36DH richtig günstig ist, den wir in Anspruch nehmen, um wiedermal unsere Toilette auszuleeren, und Wasser aufzufüllen.
GPS: N 29° 22.948', W 10 ° 10.582'

Nach drei Tagen in Sidi Ifni, wo es uns sehr gut gefällt, fahren wir auf direktem Weg immer weiter Richtung Westsahara. Die Landschaft wird jetzt flach, sandig und relativ eintönig.
Das von Marokko annektierte Gebiet der Westsahara ist kaum besiedelt, und Dörfer werden immer seltener, dafür die Militärkontrollen aber immer genauer und öfter.
Über hunderte Kilometer zieht sich die Straße schnurgerade der Küste entlang. Insgesamt warten 1500 Kilometer auf uns, bis an die mauretanische Grenze:

Kurz vor dem kleinen Ort Tarfaya sehen wir dann am Strand einen Lkw stehen, und da wir sowieso einen Übernachtungsplatz suchen wollten, beschließen wir, runter an den Strand zu fahren, der einen netten Eindruck macht. Bei dem Lkw handelt es sich um den alten Hanomag eines deutsches Pärchens. Die zwei sind ebenfalls auf dem Weg Richtung Mauretanien und Mali, und da wir uns sehr gut mit ihnen verstehen, bleiben wir am nächsten Tag auch noch an dem schönen Strand, und fahren anschließend nach Laayune, wo wir uns mit ihnen wieder einen Treffpunkt ausmachen.

Nachdem ich schon Tage zuvor die erfreuliche Nachricht erhalten habe, daß Joe es tatsächlich geschafft hat, in rekordverdächtiger Zeit seinen als Totalschaden erworbenen Ex-Bundesheer-Steyr-12M18 wieder auf Vordermann und in einen reisefertigen Zustand zu bringen, und, wenn wirklich alles funktioniert haben sollte, bereits mit der Fähre von Genua in Tanger angelegt haben sollte, warte ich gespannt auf seinen Anruf.
"Bin schon auf der Autobahn kurz vor Marrakech, und voraussichtlich morgen Abend in der Westsahara!"
Ein verrückter Typ, dieser Joe. Fährt in zwei Tagen im Dakar-Stil eine Strecke, für die ich 2 Monate gebraucht habe!
Und tatsächlich. Irgendwann am Abend des nächsten Tages rauscht plötzlich, ohne die erkennbare Absicht stehenzubleiben, ein Lkw mit hohem Tempo an unserem Strandlager vorbei, bremst sich aber etwas später ein, und biegt in unsere Richtung auf den Strand ab. Da die sms-Übermittlung meiner Standortkoordinaten an Joe irgendwie fehlerhaft waren, wäre er fast an uns vorbeigerauscht, ohne uns zu entdecken, doch im letzten Moment konnte er die unverkennbare Truck-Parts-Aufschrift auf meinem Auto noch irgendwie im Vorbeisausen erkennen.
Nach dieser Marathonfahrt heißt es am nächsten Tag erstmal entspannen:

Wir erfahren dann, daß der Ursache für Joes Hochgeschwindigkeits-Testfahrt durch Marokko keine Bleifuß-Mentalität zu Grunde liegt, sondern der Widerwillen der marokkanischen Zöllner bezüglich der militärischen Optik seines kaum als Wohnmobil erkennbaren Lkw.
Nach ungeplanter 18-Stündiger Zwangsbesichtigung der Zollräumlichkeiten im Hafen von Tangier, durfte Joe nur unter der Voraussetzung einreisen, das Land nach spätestens 7 Tagen wieder verlassen zu haben, was in Bezug auf die großen Distanzen in Verbindung mit kleinen, löchrigen, und zum Teil äußerst kurvigen Straßen eine relativ knapp bemessene Zeitvorgabe darstellt.
Im Zuge der Diskussionen erklärte man ihm: "Sie sind hier in Marokko herzlich willkommen. Ihr Auto aber nicht!"
Bei einem Rundgang um sein Auto fällt mir dann eine Aufschrift am Heck des Fahrzeuges auf, die ich insbesondere auf den deutlichen Wunsch von Joe hier festhalten will, da es sich dabei um eine Danksagung an alle seine wichtigen Helferlein handelt, ohne die die Fertigstellung des Fahrzeuges, und damit die gesamte Reise niemals möglich gewesen wäre:

Mittlerweile zum fünften Male, besuchen wir auch hier wieder zufällig eine Stadt gerade zu jener Zeit, wo der junge marokkanische König Mohammed VI zu Besuch ist, und auf Grund seiner außerordentlichen Beliebtheit bei der Bevölkerung, jedes Haus, jedes Auto, jeder Baum und jeder Esel, einfach alles, was man mit Fahnen behängen kann, zu seinen Ehren mit der marokkanischen Flagge beschmückt wird.
Es herrscht ein riesen Trubel, und absolute Festtagsstimmung:

An der Tankstelle in Layune machen wir uns noch Freunde , weil wir beide unsere Lkw's zu den günstigen zollfreien Spritpreisen bis unters Dach volltanken. Ich habe immer geglaubt, daß mein Tankvolumen von 600 Litern doch relativ großzügig bemessen ist, aber Joe legt da mit knappen 1500 Litern noch eine ordentliche Portion drauf.
Seine Zapfsäule gibt kurzerhand nach ca. 20 Minuten non-stop-Betankung bei dokumentierten 1029,81 Litern den Geist auf, und muß erst resetet werden, um die restlichen 500 Liter zu liefern.
Dieselpreis in der Westsahara März 2006: 4,2 DH, also ca. 40cent

Der lange Weg durch die Westsahara wird immer extrem eintönig beschrieben, aber eigentlich ist die Landschaft abwechslungsreich, teilweise wunderschön, und es gibt zahlreiche einladende Plätzchen, die ideal als Pausen-, oder Nachtplatz geeignet sind:

Nach einer kurzen Mittagspause, die wir in einem kleinen Restaurant am Straßenrand verbringen, fahre ich gerade los, als Joe, der hinter mir fährt, mir durch einschalten des Fernlichtes signalisiert, daß ich anhalten soll. Die Druckluft für seine Bremsanlage hat einen plötzlichen Druckabfall, also runter unters Auto und die Ursache suchen. Das Problem ist relativ schnell behoben. Eine Leitung zum Verteilergetriebe hat sich gelöst, und so die gesamte Luft ins Freie befördert. Nachdem die Leitung wieder befestigt ist, machen wir uns weiter auf den Weg. Diesmal fährt Joe voran. Nach einigen Kilometern dann setzt er plötzlich den Blinker und bleibt abermals am Straßenrand stehen. Diesmal nimmt sein Steyr kein Gas mehr an, d.h. wiedermal runter unters Auto, und die Ursache suchen. Diagnose: Gasseil gerissen.
Mit einer Lusterklemme flicken wir das Seil wieder zusammen, und können weiterfahren.
Eine Stunde später, nach einem routinemäßigem Blick in den Rückspiegel, ist Joe nicht mehr hinter uns, also bleibe ich stehen, um auf ihn zu warten, und dabei fällt mir ein knackendes Geräusch beim Bremsen auf. Während wir warten, mache ich mich auf die Suche nach der Ursache, und muß dabei feststellen, daß sich der Federbolzen der linken hinteren Feder im Kupferlager der Konsole festgefressen hat, und so seine Aufgabe nurmehr bedingt erfüllen kann. Mittlerweile ist auch Joe wieder aufgetaucht, der diesmal keinen Defekt hatte, sondern am Straßenrand einiges an Feuerholz entdeckt hat, und dies kurzerhand eingeladen und mitgenommen hat.
Wir versuchen gemeinsam, den Bolzen mit Hilfe der Fettpresse wieder gangbar zu machen, müßen dabei aber feststellen, daß eine Reparatur ohne Ausbau der Feder nicht möglich ist, und beschließen, diese Arbeit erst in Ruhe auf dem nächsten Campingplatz in Angriff zu nehmen, wo gegebenenfalls auch eine Ersatzteilbesorgung möglich wäre, falls der Bolzen schon zu sehr eingelaufen ist.
Langsam reicht es uns für heute. Kurzerhand benennen wir die Westsahara eigenständig in "Pannensahara" um!

Erstaunlicherweise führt uns der Weg ab diesem Zeitpunkt aber völlig problemfrei weiter bis an die mauretanische Grenze:

Reisestatistik:

Letztes Update am:
04.10.2010
aktuelle Position:
Graz,
Fahrzeugtechnikstudium
Temperatur: 10° C
Reisetage(insg.):
ca.643
Strecke(insg.):
ca. 76.500 km
Reifenpannen: 7
Überfälle: 1
Schmiergelder:
25 Euro
Länder:ca.35

Transafrikaroute 06/07/08: