Navigation

mit großzügiger
Unterstützung von:

impressum | kontakt | home | guestbook

Mauretanien

Da wir nur 30km vor der Grenze übernachtet haben, sind wir relativ zeitig am nächsten Tag an der Grenze, auf die ich schon sehr gespannt bin, da man mitunter ziemliche Horrorgeschichten bezüglich der korrupten Beamten und deren Abzockereien bei der Abfertigung zu hören bekommt.

Am marokkanischen Grenzposten herrscht reger Betrieb. Viele Einheimische aber auch einige Touristen warten schon auf die Abfertigung, die relativ schleppend voran geht.
Auch alte Bekannte treffen wir hier wieder. Ein großer Scania-Lkw mit englischen Kennzeichen steht da mitten im Trubel an der Grenze.
Es ist der Lkw der Reisegruppe, die wir schon bei unserer Visumbeantragung in Casablanca getroffen hatten, der mit 27 Gästen auf dem Weg von Spanien nach Kapstadt ist. Ich ärgere mich etwas, weil die Abfertigung von 27 Personen und einem Lkw mit massenweise Gepäck doch sehr viel Zeit in Anspruch nimmt, und wir uns nun dahinter anstellen müssen.
Zuerst muß man zur Polizei, wo ein Beamter die Ausreise in einem Buch vermerkt. Anschließend sollte der Zoll besucht werden, der die Zollpapiere des Fahrzeuges bearbeitet, und normalerweise das Auto inspiziert, und zuallerletzt wird im dritten Zimmer die offizielle Ausreise im Pass durch den Ausreisestempel vermerkt.
Da ich von dieser Reihenfolge aber erst im Nachhinein informiert werde, stelle ich mich mit unseren Pässen natürlich dort an, wo die meisten Leute stehen, und bekomme nach entsprechender Wartezeit auch den Ausreisestempel in alle unsere Pässe gedrückt. Auf meine Frage hin, wo ich als nächstes hinmüsse, meint der Beamte: Alles fertig, ich könne fahren.
Etwas erstaunt über die mir doch etwas zu rasch und ungründlich erscheinende Abfertigung, zeige ich ihm fragend die Zollpapiere, die man doch normalerweise abgeben müsse.
"Ob ich denn noch nicht beim Zoll gewesen sei?", fragt er mich etwas aufgeregt, und klärt mich auf, daß ich die gesamte Prozedur in der falschen Reihenfolge begonnen hätte, und der Ausreisestempel erst nach der Zollabfertigung zu bekommen sei.
Dann solle ich halt jetzt zum Zoll gehen, meint er, was ich dann auch mache.
Irgendwie scheinen sämtliche Beamte beim Zoll derart verwirrt zu sein, daß ich bereits mit dem Ausreisestempel im Pass zu ihnen komme, daß keiner von ihnen weiß, was er jetzt eigentlich machen soll, und so bekommen wir die Papiere abgefertigt retour und können fahren, ohne daß jemand die Fahrzeuge kontrolliert.

GPS-Position des marokkanischen Grenzpostens: N 21° 21.902', W 16 ° 57.57 '

Hinter dem Schlagbaum endet dann die Teerstraße und es beginnt die Fahrt durch das 3 Kilometer breite Mienenfeld im Niemandsland. Es ist unglaublich was für ein Betrieb dort herrscht. Zahllose Marokkaner und Mauretanier warten dort auf Autoverkäufer und -schieber, um dessen Fahrzeuge zu kaufen. Richtige große Auto und Lkw Lager entstehen dort. Natürlich sind auch einige an unseren Fahrzeugen interessiert, aber wie jedesmal, wenn jemand mein Auto kaufen will, erkläre ich, daß ich da drinnen wohne, und es versteht dann jeder sofort, daß ich mein Haus nicht verkaufen kann.

Der Ärger darüber, daß die große englische Reisegruppe jetzt abermals am mauretanischen Grenzposten vor uns ankommt, und für endlose Wartezeit sorgen wird, verfliegt plötzlich, und wir fangen alle etwas schadenfroh an zu grinsen, als wir sie ca. 50m später wiedertreffen: Die "Ärmsten" haben sich doch glatt sofort im Sand festgefahren, und müßen "Blechen":

Die Pisten, die kreuz und quer mit vielen Verästelungen dort durch das Mienenfeld führen, sind etwas verwirrend, und es gibt keinerlei Hinweisschilder oder Ähnliches, die die Richtung des Grenzpostens angeben. Ein Reisender, den wir in Marokko getroffen hatten, gab uns den Tip: "Immer rechts halten!", und eigentlich zum ersten Mal, erwies sich einer der vielen "Tips", die wir im Laufe der Zeit bekamen, als hilfreich, bzw. richtig.

Wenn man an jeder Abzweigung rechts fährt, dann kommt man wirklich auf direktestem Weg zum mauretanischen Posten, allerdings ist diese Strecke ausnahmslos für Allradfahrzeuge geeignet, da sie durch viele Weichsandfelder führt.

GPS-Position des ersten mauretanischen Postens: N 21° 19.944', W 16 ° 56.704'

Die Abfertigung auf mauretanischer Seite wirkt auf mich freundlich und korrekt.
Nur beim Zoll müssen wir eine Devisenerklärung ausfüllen, die offiziell seit vielen Jahren nicht mehr vorgeschrieben ist, um bei der Ausreise und eventuell auftretenden fehlenden Beträgen ohne offizielle Wechselbestätigung, eine Strafe einkassieren zu können.
Außerdem verlangt der Zöllner noch eine Gebühr von 10Euro, die garantiert der Gehaltsaufbesserung der Beamten dient.
Es fragt mich zwar jeder Beamte nach einem "Cadeaux", also Geschenk, und oft könnte man dabei das Gefühl haben, daß man ohne Cadeaux nicht abgefertigt wird, da mir auf mein ausdrückliches "No" jedes Mal ein ernster, erstaunter, fragender Blick des Beamten entgegengebracht wird, aber das ist alles Schauspielerei, und es geht auch ohne. Außerdem ist anhand der unterschiedlichen Gegenstände, die unter dem Tisch liegen zu erkennen, daß sich viele einschüchtern lassen, und ein Geschenk herausrücken.
Einer will unbedingt meine Taschenlampe haben, die am Fahrersitz montiert ist, und zeigt mir seine Kaputte, aber nachdem ich ihm erkläre, daß, wenn ich sie ihm schenken würde, er zwar eine schöne Lampe hätte, aber ich dann eben keine mehr, und ich sie aber dringend brauche, sieht er das sofort ein, und lässt davon ab.
Völlig problemlos erhalten wir auch zum gleichen Preis wie in Casablanca , für 20 Euro, unser Visum, allerdings ist dieses nur 1 Monat gültig, und nicht 2 Monate wie beim Konsulat in Casa.
Da der Wechselkurs mit offizieller Wechselbestätigung wesentlich schlechter ist, als schwarz, würde ich beim nächsten Mal in der Devisenerklärung nur einen geringen Betrag angeben, um dann zum besseren Kurs wechseln zu können, ohne daß bei der Ausreise zu wenige Euro vorzuweisen sind.
Momentaner Kurs im April 2006: offiziel 1 Euro= 300 Ouguiya, am Schwarzmarkt= 320 Ouguiya
Dieselpreis April 2006: 210 Ouguiya, also ca. 70cent.

Wir freuen uns riesig, daß wir endlich in Mauretanien sind, und fahren in bester Laune Richtung Nouadhibou, wo ich meinen Federbolzen reparieren will, und wir eine Versicherung abschließen müssen.
Auf dem Weg kreuzen wir die Schienen des bekannten Erzzzuges, der aus dem Erzabbaugebiet bei Choum das Erz nach Nouadhibou bringt, und trauen unseren Augen kaum, als just in dem Moment am Horizont der Zug auftaucht.
Es handelt sich dabei um den längsten und schwersten Zug der Welt, und wir haben das Glück, ihn sofort zu Gesicht zu bekommen.

Kurz vor der Stadteinfahrt halten uns einige Leute an, die mit einer Reifenpanne am Straßenrand stehen, und fragen, ob wir vielleicht etwas Luft zum Reifenaufpumpen für sie haben.
Klar haben wir die, und so stelle ihnen meinen Reifenfüllanschluß zur Verfügung.
Der Reifen, den sie daraufhin aufpumpen, befindet sich in einem derart desolaten und brüchigen Zustand, daß ich mich sicherheitshalber einige Meter abseits hinstelle.

Wir erreichen Nouadhibou, und suchen erstmal einen Campingplatz, um danach in Ruhe alles Weitere zu erledigen.

Der Campingplatz, den wir finden, ist absolut empfehlenswert. Schöner, ruhiger Platz mit Toiletten und warmer Dusche, was hier in Mauretanien nicht mehr selbstverständlich ist. Außerdem ist der Besitzer Brahim sehr nett und hilfsbereit.
Die Versicherung wie auch den Geldwechsel erledigen wir bequem direkt auf dem Platz. Die Fahrzeugversicherung kostet nach einigen Verhandlungen für ein Monat 30Euro. GPS Camping ABBA: N 20° 54.571', W 17 ° 3.103 '

Die vermeintlich schnelle Reparatur meines Federbolzens stellt sich als etwas gröberes Problem heraus, da der Bolzen so festgefressen ist, daß wir ohne den Einsatz einer vernünftigen Presse, bzw. einer Werkstatt keine Möglichkeit sehen, das Problem zu beseitigen, daher beschließen wir, bis Nouakchott so weiterzufahren, und dort eine vernünftige Werkstatt aufzusuchen.

Wir verbringen noch 2 Tage in Nouadhibou, in denen wir uns das kleine Städchen etwas genauer ansehen, bevor wir weiter nach Nouakchott aufbrechen.
Entgegen aller Erwartungen entpuppt sich der Ort dabei als absolut angenehm, mit äußerst netten Einwohnern, die sich ehrlich freuen, unsere Bekanntschaft zu machen, ohne dabei Geld oder ein Geschenk zu erwarten. Wir sind alle schwer begeistert vom ersten mauretanischen Eindruck.

Eine besonders nette Begegnung haben wir in einem kleinen, originalen Restaurant mit dessen Besitzer Bathily. Mehrere Male besuchen wir sein kleines Lokal, um dort eine Kleinigkeit zu essen, und dabei entwickelt sich eine richtige Freundschaft. Als wir bei unserer Abfahrt nochmal bei ihm vorbeischauen, um uns zu verabschieden, ladet er uns noch auf Tee und Cola ein, und Steffi bekommt sogar, von Bathily dem Kavalier, eine komplette Mahlzeit auf Kosten des Hauses serviert. Sehr geehrt fühle ich mich dann, als er mir noch sein Haus zeigt, und mich seiner Familie vorstellt.
Wenn also jemals jemand nach Nouadhibou kommt und gut Essen will, der schaut bitte bei Bathily vorbei, und richtet von uns, Steffi, Stefan und Joachim, liebe Grüße aus. Ich denke er freut sich darüber riesig.

Restaurant BATHILY et Frères
Adresse gibt es keine, aber jeder kennt Bathily
GPS-Bathily et Frères: N 20°55.032', W 17°03.028'

Weiter nach Nouakchott wollen wir nicht auf der neuen asphaltierten Straße fahren, die seit 2 Jahren erst fertiggestellt ist, sondern über die bis dahin einzige Möglichkeit, nämlich durch den Nationalpark Banc d'Arguin und anschließend die berühmte Strandpassage, die nur bei Ebbe fahrbar ist, da nur dann einige Meter befahrbarer Spülsaum zwischen den Sanddünen und den Atlantikwellen freigegeben werden. Die wildesten Geschichten werden erzählt von diesen 160 Kilometern, die nur genau zur richtigen Zeit in Angriff genommen werden können. Zahllose Fahrzeuge seien auf dieser Strecke schon verloren gegangen, und vom Atlantik zerstört, bzw. verschluckt worden. Genau diese Geschichten sind es, die wiedermal die große Neugierde wecken. Das müssen wir uns unbedingt ansehen!
Wir sind aber nicht die Einzigen mit dieser Idee, denn mit uns gemeinsam steht der Scania der englischen Reisegruppe auf dem Campingplatz, und wir erfahren, daß sie das Gleiche vorhaben.
Etwas verwundert darüber, da der Scania maßlos überladen ist, und keinen Allradantrieb aufweist, frage ich genauer nach. Die Strecke mißt insgesamt 530km und ist großteils weichsandig. Außerdem bestehen insbesondere vor dem Nationalpark teilweise ziemliche Orientierungsschwierigkeiten, weshalb auch davon abgeraten wird, die Strecke ohne Führer in Angriff zu nehmen.
Da wir sehr gut ausgerüstet sind, und mir neben vielen Streckenwegpunkten, auch vom kopletten Gebiet detailierte russische Militärkarten zur Verfügung stehen, habe ich keine Bedenken, die Strecke alleine zu fahren.
Beim Gespräch mit der Reiseleiterin der englischen Gruppe stellt sich dann heraus, daß sie weder eine vernünftige Karte, noch ein GPS-Gerät besitzen, und die Strecke trotzdem fahren wollen, denn, so ihr Zitat: "Wir haben ja eh einen Kompass". Das mit dem fehlenden Allrad sei auch kein Problem meint sie, da sie 27 Leute seien, und notfalls halt die gesamte Strecke "Blechen", also mit Sandblechen auslegen könnten.
Da ich dieses Vorhaben doch für etwas Verantwortungslos halte, biete ich ihnen zumindest meine sämtlichen digitalen Detailkarten und das dazu notwendige Computerprogramm an, was sie auch sofort dankend annehmen, allerdings ist ihnen scheinbar nicht klar,daß diese Karten ohne Verbindung eines GPS-Gerätes relativ nutzlos sind.
Da sie auch nicht auf uns warten wollen, und einen Tag vor uns abreisen, gehen wir davon aus, daß wir sie ohnehin auch mit einem Tag Rückstand bald eingeholt haben werden, und ihnen dann gegebenenfalls helfen könnten.

Wir finden am nächsten Tag trotz längerer Suche die Piste zum Eingang des Nationalparkes nicht, fahren dann aber einfach nach der GPS-Richtung querfeldein die 110km bis zum Park
Irgendwo mittendrin entdecken wir dann die Spuren von Zwillingsrädern, also von den Engländern. Um bei eventuellen Schwierigkeiten helfen zu können, beschließen wir, ihren Spuren zu folgen.
Zahlreiche äußerst Tiefe Löcher weisen darauf hin, daß sie ordentlich Schaufeln und Blechen mußten, um die Sandpassagen zu meistern.
Viele Stunden folgen wir ihren Spuren, die ständig die Richtung wechseln, nur eigentlich nie den richtigen Kurs ansteuern, und so geben wir die Verfolgung irgendwann auf, um wieder in direkter Linie dem GPS zu folgen, weil wir davon ausgehen, ihnen doch irgendwo im Laufe der Zeit zumindest in Sichtweite nahe zu kommen.

Dank der Koordinaten finden wir metergenau den Eingang des Nationalparkes.
Nachdem wir die zwei Pfosten, die den Eingang markieren sollten, wieder aufgestellt und im Boden verankert haben, können wir ganz offiziell durch das Einfahrtstor den Nationalpark betreten:

Ab hier existiert wieder eine erkennbare Piste, auf der es flott dahingeht:

Der weitere Weg führt uns durch schöne, abwechslungsreiche Wüstenlandschaft:

Kurz vor Nouamghar, wo das berüchtigte Strandstück beginnt, wird der Nationalpark, der mit vielen seltenen, vom Aussterben bedrohten Tieren wirbt, dann teilweise unseren Erwartungen gerecht, denn in Strandnähe sehen wir viele Tiere. Flamingos, Silberreiher und Pelikane tummeln sich und baden haufenweise im Meer, und zum ersten Mal sehen wir auch den langersehnten Wüstenfuchs aus allernächster Nähe.

Die küstennahe Piste führt häufig durch Sebkhas, also schlammähnliche Gebiete, in denen das Fahrzeug durch die oberflächlich hart erscheinende Decke durchbrechen, und äußerst tief einsacken kann. Die Sebkhas sind von weitem deutlich an ihrer dunklen Oberfläche zu erkennen, und die Pisten, die hindurchführen durch oftmaliges Befahren steinhart, und gut und schnell befahrbar, ohne einzubrechen.
Um die Mittagszeit herum beschließen wir, eine kleine Pause am nahen Strand zu machen, und gemütlich eine Kleinigkeit zu essen. Vom Hunger getrieben, schießt Joe auch schon los, um die ca. 300m von der Piste ans Meer zu fahren.
Steffi und Ich sehen ihm noch hinterher, wie er ohne zögern losbraust, obwohl die Strecke, die er in Angriff nimmt, unbefahren, und verdammt dunkel aussieht.
Wir sehen uns fragend an, und jeder weiß sofort, was der Andere gerade denkt: "Sieht verdammt nach Sebkha aus!"

Einige Sekunden später ändert sich unsere Mittagspausengestaltung schlagartig.
Warum, ist denke ich an Hand der folgenden Fotos auch vom Laien zu erkennen:

Wir versuchen zwar noch, den Steyr mit meinem Benz rückwärts aus dem Schlamassel herauszuziehen, der sich sehr zum Stolz seines Besitzers vom Sebkha nicht beeindrucken lässt, und sich völlig problemlos durch die tiefen, schlammigen Spurrillen fräst, was im ersten Moment auch gelingt.
Wieder auf freiem Fuße, will Joe versuchen, seinen Steyr im Retourgang wieder rauszufahren, kommt aber nur einige Meter weit, und sackt diesmal noch viel tiefer ein.
Die Achsen und Differentialkörper stecken so tief im Boden, daß sie wie Anker wirken, und ich habe beim erneuten Schleppversuch das Gefühl, als hätte ich ein Einfamilienhaus am Bergegurt hängen.

Einige Kubikmeter umgegrabene Erde, zwei glühende Schaufeln, ca. 5 Liter Wasser, literweise Schweiß, 8 verbogenen Sandbleche, ein mittlerweile durch die ansteigende Flut etwas nervöser Joe, eine, durch das ständige Nachfüllen unserer Trinkwasserflaschen geschaffte Steffi, 2 abgewrackte Schaufler, und 3 Stunden später steht der Steyr wieder auf 4 Rädern:

In Nouamghar endet der Nationalpark, wo wir uns beim Posten der Nationalparkverwaltung melden müssen. Der Beamte trägt uns in ein großes Buch ein, wo alle jene vermerkt werden, die den Park durchquert, und hiermit wieder verlassen haben.
Ich frage dort nach den Engländern, dessen Spuren wir kein einziges Mal im Park gesehen hatten, und wie ich es mir gedacht habe, sind sie im Buch nicht eingetragen. Scheinbar haben sie also doch gröbere Probleme. Da ich weiß, daß einer der Gäste ein Satellitentelefon mit sich führt, und der Campingplatzbesitzer in Nouadhibou schon vor deren Abfahrt informiert, und auf eventuelle Probleme vorbereitet, und sofort startklar ist, mache ich mir keine allzu großen Sorgen um deren Wohlbefinden.
Die Nationalparkgebühr, die schon vorab in Nouadhibou zu zahlen ist, macht übrigens 1200 Ouguiya, also ca. 4 Euro pro Tag und Person aus. Wir haben drei Tage genommen, die durchaus ausreichend waren. Am Campingplatz auf dem Cap in der Mitte des Parkes wurden unsere Eintrittskarten auch kontrolliert.

Der Nationalparkangestellte, der unsere Ankunft vermerkt, zeigt mir auch sofort den aktuellen Gezeitenkalender, da die weitere Strecke, 160km am Strand entlang, nur bei Ebbe fahrbar ist.
Nach genauerem Blick auf die Ebbzeiten wird klar, daß wir entweder sofort, oder erst in einigen Tagen nach Nouakchott weiterfahren könnten, ohne dabei in die Dunkelheit zu geraten.
Da wir aber nicht tagelang hier herumsitzen wollen, beschließen wir, gleich zu fahren.

Gleich am Beginn der Passage sehen wir sofort, wie eine Art Mahnmahl, was passiert, wenn man den Abfahrtszeitpunkt ungünstig wählt.
Da Steffi als Einzige von uns den Busführerschein besitzt, darf natürlich auch nur sie probefahren:

Da uns nicht viel Zeit bleibt, bis zur nächsten Flut, die schon im Ansteigen ist, geben wir zemlich gas, und so schießen wir mit 60-70 Sachen am Strand dahin, der, unterbrochen von einigen felsigen Passagen, die wir oft durchs weichsandige Hinterland umfahren können, fast überall eine hohe Geschwindigkeit zulässt.
Fast!
Da das Wetter plötzlich umschlägt, und es immer nebliger wird, können wir den Seetang, der überall am Spülsaum herumliegt, und problemlos überfahren werden kann, an einer Stelle nicht im Vorhinein von den dort herumliegenden Steinen unterscheiden.
Erst im letzten Moment erkenne ich, daß riesige Felsen hier am Strand liegen, aber durch die hohe Geschwindigkeit ist ein Anhalten nicht mehr möglich, und an der einzigen Durchfahrtsstelle, die breit genug erscheint, bricht gerade eine Atlantikwelle.
Ich habe nur zwei Möglichkeiten: über die Felsen mit 60km/h, oder mitten rein in die Welle.
Da die Felsvariante einem garantierten Totalschaden gleichzusetzen ist, entscheide ich mich für die Welle, halte das Lenkrad so fest es geht, visiere die einzig mögliche Linie an, die ohne Felskontakt, wenn auch verdammt eng, möglich scheint, und schieße durch.
Wie mit einem Donnerschlag prallt die Welle gegen das Auto, durch das viele hochkatapultierte Wasser wird es dunkel in der Fahrerkabine, die nächsten Sekunden sehe ich überhaupt nichts mehr, und hoffe, daß die anvisierte Line richtig war, und wir keinen der Felsen erwischen.
Als ich dann mit zittrigen Händen den Scheibenwischer betätige, um ein klares Bild zu bekommen, sind wir schon durch.
Im gleichen Moment kommt Steffi und mir der selbe Gedanke: Was ist mit Joe?
Normalerweise fährt er immer in einem großen Sicherheitsabstand hinter uns her, aber gerade vor dieser Stelle hatte er auf Grund der schlechten Sicht den Abstand deutlich verkürzt, und fuhr so knapp hinter uns her, daß er meines Erachtens die einzig mögliche Linie garnicht sehen konnte, und so kommen mir schlimme Befürchtungen.
Unsere Erleichterung ist groß, als wir im Rückspiegel den Steyr erkennen können, und er die Stelle ebenfalls glimpflich überstanden hat.
Wir bleiben erstmal stehen, um den kleinen Schock zu verdauen, und dabei erzählt Joe, daß er nur deshalb die richtige Spurwahl durch die Felsen treffen konnte, weil er vorher seitlich versetzt gefahren sei, um nicht in unsere Spurrillen zu geraten, und dadurch an uns vorbeisehen konnte.

Da wir die Fahrt in diesem Tempo weiterführen müßten, um vor der Flut in Nouakchott zu sein, entscheiden wir uns, trotz der ungünstigen Ebbzeit des nächsten Tages, im Hinterland zu übernachten.
Nach kurzer Überlegung komme ich zu dem Ergebnis, daß es möglich sein müsste, die restlichen 30km Strand bis Nouakchott bei akzeptablem Wasserstand hinter uns zu bringen, wenn wir sofort bei einsetzender Morgendämmerung losfahren würden.
Genauso machen wir es auch, und fahren bei besseren Wetterverhältnissen ohne weitere Probleme bis zur mauretanischen Hauptstadt, und sind erfreut, und doch etwas stolz, als wir sie erreichen:

Im Reise-Know-How Reiseführer von Westafrika ist eine "besonders empfehlenswerte Wekstatt" in Nouakchott vermerkt, nämlich die vom ehemaligen Rallyfahrer Serge Proust, und so machen wir uns sofort auf den Weg zu ihm, um meinen Federbolzen reparieren zu lassen.
Wir finden die Werkstatt ohne Probleme anhand der im Führer vermerkten Koordinaten, und auf meine Frage nach Serge wird mir von den dortigen Mechanikern mitgeteilt, daß er jeden Moment einterffen wird.
Es dauert nicht lange, und er taucht wirklich auf. Die Reparatur sei kein Problem, und 60 Euro für beide Seiten halte ich für angemessen, also kann es losgehen.
5 tüchtige Mechaniker machen sich sofort an die Arbeit um die festgefressenen Bolzen auszuschlagen, und bis zu jenem Moment, wo sie bemerken, daß sich der Bolzen nicht auf konventionelle Art und Weise entfernen lässt, macht ihre Arbeit auch einen vernünftigen Eindruck, doch als sich der Bolzen auch mit dem Vorschlaghammer und einem, durch Joe's Ideenreichtum zusammengeschweißten Dorn keinen Millimeter rührt, nimmt ihre Motivation, und vor Allem ihre fachkundige Arbeitsweise ein jähes Ende. Joe, der kein Wort Französisch spricht, beeindruckt mich immer wieder mit seiner offensichtlich globalen Werkstattsprache, die jeder der Mechaniker sofort zu verstehen scheint.Als einer von Ihnen mal wieder viel zu sachte den Hammer benützt, schnauzt Joe ihn, mittlerweile schon etwa genauso genervt wie ich, an: "Oida, hau drauf gscheit, bevor I narrisch werd!!"
Der Gute weiß sofort was gemeint ist, und haut mit einer derartigen Kraft auf den Dorn ein, daß meine Ohren heute noch summen.
Mit der Zeit, abgesehen davon, daß von 5 anwesenden Mechanikern nur einer arbeitet, und die Anderen faul im Schatten liegen, wird ihre Vorgehensweise immer schlimmer. Abwechselnd dreschen sie mit dem schweren Hammer sinnlos auf die Konsole ein. Von "Reparatur" kann keine Rede mehr sein, alles was sie angreifen wird noch kaputt und schlechter.
Vom Werkstattbesitzer Serge fehlt mittlerweile jede Spur. Nachdem er einige Male vorbeigeschaut hatte, um sich darüber zu beschweren, daß die Mechaniker sein Werkzeug kaputt machen, aber nichts an deren katastrophaler Arbeit, dessen er sich genau bewusst war, zu ändern gewillt war, heißt es nun auf meine Frage hin: "Er ist auf Urlaub gefahren, und kommt erst in 3 Tagen wieder"
Ich traue meinen Ohren kaum!
Auf der sehr informativen und hilfreichen Homepage www.pistenkuh.de ist folgendes zu lesen:
"Serge Proust, ein ehemals bekannter Ralleyfahrer und Expeditionsführer, mit seiner Garage de la Croix du Sud; N 18° 05' 909 W 015° 58' 932 - stellt in Nouakchott einen wichtigen Service-und Anlaufpunkt dar; vom zu beschaffenden Ersatzteil bis zur Reparatur an PKW und LKW, Serge meistert alles. Seine Hilfsbereitschaft kennt eigetlich kaum Grenzen. Ein Zentrum für jede Art der Information. Außerdem gibt's eine Campingmöglichkeit in seinem Hof und eine Dusche, von der ich heute noch träume!"
Leidergottes trifft keines der lobenden Erwähnungen zu. Ganz im Gegenteil!!
Ich bin mittlerweile nicht mehr verärgert sondern stinksauer!

Wir beschließen, dank Joe's fachlichem Rat als gelernter Fahrzeugbauer, worüber ich ihm sehr dankbar bin, die genietete Konsole zu entfernen, den Bolzen mit einer, in "Serge's Superwerkstatt" natürlich nicht vorhandenen Presse, auszutreiben, und danach mit den dazu notwendigen hochfesten Schrauben wieder zu befestigen.
Wir verbieten den Mechanikern von da an, auch nur den kleinsten Handgriff selbstständig an mein Auto zu legen, und nehmen die Sache selbst in die Hand.

Wenige Stunden später ist unser Werk vollbracht, und mein Benz steht wieder voll funktionsfähig und selbstständig am Boden.

Natürlich kommt es bei der Bezahlung dann noch zu einem Streit, weil ich nicht gewillt bin, eine Reparatur zu bezahlen, die wir in Eigenregie durchführen mussten.
Der Chef Serge, mit dem ich daraufhin sprechen will, ist natürlich nicht erreichbar, da er zufälligerweise in einem Gebiet Urlaub macht, wo es keinen Handyempfang gibt, und es gäbe auch gar keinen Grund dafür, da nicht die eigentliche Arbeit den Preis bemesse, sondern das maßlose Risiko, dem sich die armen Mechaniker bei der Arbeit ausgesetzt haben, und jenes Risiko sei natürlich auch ohne die eigentliche Fertigstellung gegeben gewesen.

Wütend über so viel Unverfrorenheit, bezahle ich den vollen Preis, zeige der gesamten Mannschaft aber noch den lobenden Eintrag im Reiseführer, erkläre ihnen, daß eigentlich jeder Westafrikareisende diesen Führer benutzt, und daß ich dafür Sorgen werde, daß dieser Eintrag in der nächsten Auflage gestrichen wird.
Wütend schnauzen sie mich daraufhin an, daß ich sofort verschwinden solle,sie gar kein Interesse an uns Europäern hätten, und es vollkommen egal wäre, wenn kein Reisender mehr bei ihnen auftaucht, da sie genung an den Aufträgen der Mauretanier verdienen würden.

Auf dem Campingplatz treffen wir später eine deutsche Frau, die hier mit einem Mauren verheiratet ist und lebt, und von ihr erfahren wir dann die Wahrheit über Serge:
Die Werkstatt sei schon länger nicht mehr im Besitz von jenem Serge Proust, sondern scheinbar einem seiner Freunde, da er selbst auf Grund gröberer Probleme mit der Regierung innerhalb kürzester Zeit das Land verlassen musste. Der Herr, der sich dort also als Serge ausgiebt, ist ein Schwindler, und kein einziger Punkt, der an Serge so gelobt wurde, trifft auf ihn zu!
Daher: Diese Werkstatt ist NICHT MEHR EMPFEHLENSWERT

In Nouakchott auf dem Campingplatz machen wir noch eine Woche "Urlaub", um auf die Ankunft von Joe's neuer Reisebegleitung Karin zu warten, lernen dabei einige nette Mauretanier kennen, und erfahren viel Interessantes über jenes Land, das mich mit jedem Tag mehr begeistert.
Ein besonderes Erlebnis ist die Ankunft der Fischer mit ihren großen hölzernen Fischerbooten am Strand vor dem Fischmarkt, wo am Nachmittag ein riesiger Trubel herrscht. Hunderte Boote, tausende Fischer und millionen Fische aller Arten und Größen sind umringt von ebensovielen Käufern, und mit viel Hektik, Gestik und Geschrei wird die frische Ware direkt aus den Booten heraus im absoluten Chaos, das dennoch zu funktionieren scheint, an den Mann gebracht.

Zwei Tage lang verbringen dann noch mit der Suche nach einem neuen Reservereifen, der in meiner Größe zwar überall zu bekommen ist, aber entweder passt der Zustand nicht, oder, bei den neuwertigeren Reifen, ist der Preis zu hoch. Das Maß der Dinge bei Lkw-Gelände- bzw. Sandreifen, wie auch bei uns, ist dort der sündhaft teure Michelin Sandreifen, den man an jeder zweiten Straßenecke in jedem erdenklichen Zustand zu kaufen bekommt. Ein gebrauchter, aber tatsächlich fast neuwertiger Michelin, ohne erkennbaren Verschleiß, in tadellosem Zustand kostet überall ca. 300 Euro.
Das ist zwar immer noch viel Geld, aber dieser Spezialreifen ist bei uns nur auf Bestellung, und dann für den stolzen Preis von über 700 Euro zu bekommen.
Glücklicherweise kann ich, mit all meiner Selbsbeherrschung, die wenigen übriggebliebenen Vernuntszellen in meinem Gehirn dann doch noch irgendwie aktivieren, und kaufe keinen kompletten Satz, sondern wirklich nur einen Reservereifen.

Somit ist mein Fahrzeug und die Ausrüstung wieder vollständig, und voller Abenteuerlust und Tatendrang brechen wir nach über einer Woche wieder auf, um die "Route de l'espoire", die "Straße der Hoffnung" Richtung Tidjikja in Angriff zu nehmen. Diese, mit ausländischer Hilfe erbaute, über 1000km lange Straße verbindet die Hauptstadt im Westen mit Nema, der äußersten Stadt im Osten. Ihren Namen erhielt sie, weil die östlichen Bewohner des Landes durch den Bau dieser Verbindung erstmals die Möglichkeit hatten, ohne expeditionsähnlichen Aufwand in die Hauptstadt zu gelangen.
Sie führt uns schnurgerade durch endlose Dünenfelder. Die Sandfarben wechseln ständig von fast schneeweiß bis dunkelrot, und so bietet sich uns ein sehr farbenfrohes Bild.

Auf der Suche nach einem Nachtplatz biegen wir von der Straße auf eine Piste ab, und erreichen nach kurzer Zeit einen kleinen Ort. Die Bewohner entpuppen sich als äußerst freundlich und hilfsbereit, und gestatten uns nicht nur, kostenlos dort zu übernachten, sondern sind äußerst freundlich, und wirklich um unser Wohlbefinden bemüht.

Der kleine Ort hat eine eigene Privatschule, dessen Lehrer wir kennenlernen, und am nächsten Morgen werden wir von ihm zum Tee, und einer kleinen Schulbesichtigung eingeladen. Ich bin maßlos beeindruckt, wie herzlich und freundlich wir dort von Allen aufgenommen und behandelt werden.
Dieser kleine Ort mit den herzlichen, lachenden und fröhlichen Menschen wird uns sicher noch lange in schöner Erinnerung bleiben!

Da wir nicht genügend Zeit zur Verfügung haben, um wie geplant nach Mali zu fahren, beschließen wir, zumindest an die senegalesische Grenze zu fahren, und uns den Senegal-Fluß anzusehen.
Je weiter wir ins Landesinnere vordringen, desto heißer wird es. Kurz vor Bogué, dem Grenzort am Senegal, messen wir 53° Celsius im Schatten. Glücklicherweise ist die Luft extrem trocken, wodurch diese extremen Temperaturen irgendwie halbwegs auszuhalten sind. Die Luft, die durch das offene Fenster ins Fahrzeug strömt ist so heiß, daß man das Gefühl hat, es müßte einem die Haut verbrennen, daher schließen wir sie komplett. Ich wundere mich, daß ein Motor überhaupt bei solchen Temperaturen funtionieren kann, aber beide Fahrzeuge vollrichten ihre Aufgabe ohne jegliche Temperaturprobleme.
Die Metallteile im Fahrzeug sind derart heiß, daß man sich daran verbrennt, wenn man sie berührt.
Ich konnte mir bisher nicht vorstellen, daß eine derartige Hitze tatsächlich möglich sei!!
Untertags und v.a. zu Mittag werden dadurch notgedrungen alle Aktivitäten der dortigen Bewohner eingestellt, bzw. auf das äußerste Minimum beschränkt. Alles scheint wie ausgestorben. Die wenigen Lkw's, die unterwegs sind, stehen mit geöffneter Motorhaube am Straßenrand, und die Besatzung liegt im einzigen Schatten unter den Autos und schläft, bzw. trinkt Tee.
In den Orten, die wir durchfahren, ist kein einziger Mensch zu sehen, da alle Leute an den wenigen schattigen Plätzchen ihr Mittagsschläfchen halten.

Je weiter wir dem Senegal näher kommen, desto grüner wird es. Wir haben also nun von Norden nach Süden die Sahara durchquert, und sind jetzt am südlichen Ende, der sogenannten Sahelzone angelangt.
Wir erreichen schließlich Bogué, und damit die senegalesische Grenze und den gleichnamigen Grenzfluss.
Leider wird dies aus Zeitgründen auch der südlichste Punkt unserer Reise sein:

Erst nach Sonnenuntergang beginnt der Ort wieder zu leben, und die Straßen und kleinen Cafés sind plötzlich stark frequentiert. Wir essen an einer kleinen Straßenbude Couscous, und beobachten ganz verzaubert, wie Abends dort aus einer ausgestorbenen Geisterstadt ein fröhlich lebhafter Ort entsteht. Ich bin ganz begeistert von der Freundlichkeit, Fröhlichkeit und Offenheit der Leute.

Weiter wollen wir durchs Innere Mauretaniens über Tidjikja nach Atar fahren. Der Weg dorthin bietet eine besondere Sehenswürdigkeit:
In einem Guelta bei N'Beika, einer Art Schlucht mit mehreren Wasserbecken, haben sich die letzten Nilkrokodile aus jener Zeit erhalten, als die Sahara noch üppig beachsen war, und wasserreiche Flüsse führte. Jenes "Guelta Matmata" soll also unser nächstes Ziel sein, und wir sind wahnsinnig neugierig, ob es dort tatsächlich mitten in der Sahara Krokodile gibt, die es Jahrtausende lang geschafft haben, in so lebensfeindlicher, annähernd wasserloser Umgebung zu überleben.
Auf dem Weg ins Herz Mauretaniens:

In N'Beika biegen wir also Richtung Matmata ab, und erreichen nach ca. 30km teilweise weichsandiger Piste das Guelta:

Wir übernachten in paradiesischer Atmosphäre vor der Schlucht zwischen Palmen, Felswänden und Wasserbecken, und können es wiedereinmal nicht fassen, in was für einer wunderschönen Gegend wir uns befinden.

Am nächsten Tag haben wir, wie so oft, schon bei Sonnenaufgang Besuch von einigen Nomadenkindern aus der Nähe, und einer bietet uns natürlich sofort seine Dienste als Guide an, um uns zu den Krokodilen zu führen.
Da wir ihm die Möglichkeit bieten wollen, sich auch ohne Betteln zu müssen etwas Geld zu verdienen, nehmen wir sein Angebot an, und engagieren ihn als unseren "Krokodil-führer".
Ausgerüstet mit Fotoapparat und einigen Wasserflaschen marschieren wir also mit ihm los in die Schlucht hinein, und schon nach kurzer Zeit bekommen wir einen eindeutigen Beweis für die tatsächliche Existenz von Krokodilen zu Gesicht.
Unser Guide neben einem unverkennbaren Krokodilabdruck im Sand neben einem der vielen Wasserbecken:

Immer weiter geht es in die Schlucht hinein:

Nach ca. 1 Stunde Fussmarsch erreichen wir das große Becken am Ende des Gueltas, wo die meisten Krokodile leben sollten, aber wir bekommen auch hier, und nach längerer Wartezeit, die wir lautlos und versteckt verbringen, keines der ersehnten, überaus scheuen Tiere zu Gesicht.
Auf Anraten unseres kleinen Guides beschließen wir umzukehren, und mit den Autos von oben an den äußeren Rand des Gueltas zu fahren, wo die Wahrscheinlichkeit, die Krokos zu sehen, besser sei.
Über eine übel steinige Piste erreichen wir dann das Guelta von der oberen Seite, von wo aus uns die Tiere nicht so leicht wittern können, und stehen nach kurzem Fussmarsch direkt am Felsabbruch mit grandioser Aussicht auf das Becken und in die Schlucht hinein.
Und tatsächlich: Im Wasser schwimmt doch wirklich deutlich erkennbar eines der so heiß ersehnten Krokodile. Anders als wir es uns gedacht haben, handelt es sich dabei um richtig große Exemplare.
Jenes auf dem Foto muß ca.4 m lang sein:

Zu guter Letzt, nach ewiger Warterei, steigt dann auch noch eines aus dem Wasser, um ein Sonnenbad zu nehmen:

Auch während der Wartezeit wird uns nicht fad, denn die Silberreiher machen für uns eine kleine Flugshow:

Am späten Nachmittag beenden wir dann unsere durchaus erfolgreiche "Krokodiljagd", und sind alle, d.h. wir 4 und die neugierigen Nomaden aus der Umgebung, die sich unserer Suche angeschlossen haben, vor Allem auf Grund der extremen Temperaturen ziemlich geschafft:

Auf dem Weg zurück nach N'Beika nehmen wir noch einen älteren Bewohner eines kleinen Dorfes mit zum nächsten Arzt, da ich der Meinung bin, daß wir seine böse entzundene.Wunde nicht an Ort und Stelle mit Medikamenten behandeln können. Sein verwundeter Finger ist schon so steif, daß er ihn überhaupt nicht mehr bewegen kann. Auf Grund der ärmlichen Verhältnisse des Mannes, zahle ich dann auch noch die Behandlungskosten. Die komplette verarztung des Fingers inklusive der nötigen Medikamente kostet 1,5 Euro!

Im Ort vor der Asphaltstraße pumpen wir unsere Reifen wieder auf, und sind dabei, wie jedesmal die absolute Attraktion, und das halbe Dorf versammelt sich, um die seltsamen Touristen zu beobachten.
Die dabei anfallende Wartezeit, bis die großen Lkw-Reifen wieder auf 5 bar aufgepumpt sind, führt wie so oft zu netten Begegnungen mit den neugierigen Beobachtern.

Während einer kurzen Rast im Ort lernen wir noch einen Soldaten kennen, der hier stationiert ist. Er ist sehr freundlich, lässt uns bei sich im Haus unsere Wasserreserven auffüllen, und bietet uns an, die Nacht im Palmenhain seines Onkels in ruhiger Lage zu verbringen.
Da wir direkt im Ort von mindestens 30 neugierigen Leuten umgeben sind, nehmen wir das Angebot gerne an, und sind ganz begeistert von dem paradiesischen Plätzchen, wo wir dann tatsächlich ganz alleine sind:

Nachdem wir es vorher mit ihm ausgemacht haben, kommt er abends, trotz 45-minütigem Fußmarsch, tatsächlich mit einem Rucksack voll Couscous zu uns in den Hain, macht ein kleines Feuer, und bereitet uns ein wunderbares Abendessen mit Tee und Allem was sonst noch dazugehört. Wir verbringen mit ihm einen sehr netten Abend, und sind wiedermal total begeistert von so viel Gastfreundschaft.
Das Highlight des Abends ist es zum wiederholten Male, als Joe seinen Österreich-Bildband hervorkramt. Seine begeisterten, leuchtenden Augen bei dem Anblick von schneebedeckten Bergen, üppig sprießenden Almwiesen oder dem Stephansdom werde ich nicht so schnell vergessen.
Natürlich müssen wir vielen Fragen Antwort stehen, die oft nicht so leicht zu beantworten sind, und so wird einfach aus dem Stephansdom die "große Moschee von Wien", und die Trachtengewänder sind "Bubu's d'Autriche". (Der Bubu ist das traditionelle Gewand der Mauren)

Am nächsten Tag fahren wir weiter nach Tidjikja. Kaum sind wir in den Ort eingefahren, kommt ein Campingplatzbesitzer auf uns zu, und erklärt uns, daß wir nur auf seinen Platz könnten, da beim zweiten Campingplatz die Einfahrt zu niedrig sei. "Na gut", sagen wir, "dann kommen wir eben auf Deinen Platz."
Vor der Einfahrt springt er dann plötzlich auf das Auto, klettert aufs Dach, und uns wird auch kurz darauf klar warum: Die Stromleitungen sind zu niedrig!! Aber alles kein Problem. Man muß sie ja bloß in die Höhe halten.

Wir nutzen den Aufenthalt, um uns und unsere Fahrzeuge für die bevorstehende Fahrt nach Atar, 450km Piste und Sand, fit zu machen, d.h: Wasser und Diesel volltanken, FZ abschmieren, einkaufen, etc.
Wiedermal viel zu spät, weil ich, wie es meine Art ist, den halben Tag vertrödle bis ich bemerke, daß eigentlich noch viel zu tun ist, brechen wir am folgenden Tag erst gegen Mittag Richtung Atar auf.

Wir sind schon sehr gespannt was uns in den folgenden Tagen erwarten wird, denn die Strecke ist in unserem Führer als fahrtechnisch, als auch navigatorisch anspruchsvoll beschrieben.
Gleich zu Beginn finden wir die Piste nicht, fahren querfeldein nach unseren GPS-Punkten aus dem RKH-Westafrika, und haben hier erstmals im weichen Sand bei Temperaturen um 50° leichte Temperaturprobleme bei beiden unseren Fahrzeugen. Die weichsandigen Stellen wechseln von einem Meter auf den Anderen mit grobsteinigen Passagen, bzw. Geröllfeldern.
Ähnlich vielfältig präsentieren sich die Farben, und wechseln ständig. Hinter jeder Kuppe warten neue Kompositionen auf uns.

In einem ausgetrockneten Flußtal, dem Oued Rachid, fahren wir am einzigen Ort auf der gesamten Strecke vorbei, und schlagen einige Kilometer nach der Ortschaft im Oued unser Nachtlager auf.
Es dauert nicht lange, bis uns Nomadenkinder aus der Umgebung entdeckt haben, und uns besuchen kommen. Einer von ihnen zeigt uns seine dunklen Flecken auf seinen Zähnen, und es dauert einige Zeit bis wir begreifen, daß er uns um eine Zahnbürste und eine Pasta bittet. Diese Bitte kann ich nicht ausschlagen, und schenke ihm meine alte Bürste mit der Zahnpasta, da wir noch eine Garnitur mithaben.
Seine Freude darüber ist so groß, daß er sofort an Ort und Stelle wie ein Wilder beginnt, seine Zähne zu putzen. Da er das aber nie gelernt hat, putzt er viel zu wild und viel zu brutal, sodaß sein Zahnfleisch nach kürzester Zeit zu bluten beginnt, und wir können ihn in seiner Euphorie nicht davon überzeugen, es etwas vorsichtiger zu tun.
Es ist rührend zu sehen, wie sehr sich ein Kind über eine Zahnbürste freuen kann:

Die folgenden 3 Tage bis Atar geht es weiter über teilweise übel steinige,langsame Passagen, durch Dünenfelder, schnelle Regebenen, und oftmals durch sehr weitläufige Barchanfelder, in denen man sich wie in einem Labyrinth fühlt, und hinter jeder Düne hoffen muß, daß man in keine Sackgasse geraten ist, da die Barchandünen sehr schnell wandern, und Wege, die vortags noch fahrbar waren, am nächsten Tag schon durch eine unbefahrbare Barchandüne blockiert sein können.

Die Barchanfelder:

Kurz vor Atar erreichen wir das Adrar-Bergland:

Der Pass kurz vor Atar ist sogar auf einer Strecke von 2 km geteert, da es hier sehr viele Unfälle gab. Für uns heißt das, wegen lächerlichen 2 km die Reifen aufzupumpen.

Wir erreichen Atar, und finden dort den Campingplatz "Bab Sahara" eines Holländers und seiner deutschen Frau, der mit Abstand der schönste unserer gesamten Reise sein wird. Es gibt dort richtige, saubere europäische Toiletten und Duschen, von denen wir alle total begeistert sind. Der Platz ist sehr gemütlich und mit viel Mühe und Geschmack eingerichtet.

Man kann dort Geländewagen, und vor Allem die berühmten Sahara-2CV's mieten, und geführte Wüstentouren unternehmen.
Die Enten haben 2 Motoren, von denen jeweils einer eine Achse des 2CV antreibt, und sollen laut Aussage des Campingplatzbesitzers wegen des geringen Gewichtes das Maß der Dinge im Sand und in den Dünen sein.

Reisestatistik:

Letztes Update am:
04.10.2010
aktuelle Position:
Graz,
Fahrzeugtechnikstudium
Temperatur: 10° C
Reisetage(insg.):
ca.643
Strecke(insg.):
ca. 76.500 km
Reifenpannen: 7
Überfälle: 1
Schmiergelder:
25 Euro
Länder:ca.35

Transafrikaroute 06/07/08: