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SUDAN

Nach 2 Wochen der Warterei in Assuan ist es dann endlich soweit: Der Tag der Abfahrt!
Die letzten Tage hat sich Assuan auf wundersame Art und Weise mit "vielen" Overlandertrucks gefüllt, die alle irgendwie von der Möglichkeit gehört hatten, auf dem Ponton, das die Overlandcompany "Dragoman" gemietet hatte, kostengünstig mitzufahren, und so sind wir im Endeffekt 6 Lkws, mit denen das Ponton dann auch ziemlich ausgelastet ist.
Der englische Dragoman-Truck, ein französisches Paar mit ihrem gelben Renault, zwei Belgier mit zwei MAN´s, Peter und meine Wenigkeit:

Die Ausreiseformalitäten im Hafen sind relativ rasch erledigt, es benötigt einige Versuche, bis das Ponton so angelandet wird, daß wir auffahren können, ohne dabei die Lkws zu versenken, aber schlußendlich werden am späteren Nachmittag die Fahrzeuge ohne große Probleme verladen:

Leider dürfen am Ponton nur die Fahrer, und keine Beifahrer mitfahren, daher verabschieden wir uns von unseren BeifahrerInnen, die am nächsten Tag mit der Passagierfähre fahren werden, und verlassen für die nächsten 3 Tage das Festland.
Das Zugboot, das uns über den Nasser-Stausee ziehen soll sieht nicht sehr vertrauenserweckend aus und bei einer genaueren Inspektion finden wir dann auch das Typenschild: Baujahr 1928!

Die folgenden Tage auf dem See entwickeln sich zu purem Urlaub, den wir auch so richtig genießen.
Das Wetter zeigt sich von seiner besten Seite, und so sitzen wir jeden Tag gemütlich auf den Dächern unserer Lkws, und verbringen die Zeit mit Essen, Trinken, Plaudern und Fischversuchen.

Die zwei Belgier entpuppen sich als wahre Gourmets, und überraschen uns jeden Tag mit ihren extraordinären Gaumenfreuden. Unser täglicher Mittagslunch:

Und am Abend gibts dann Dinge wie Quiche und Käsefondue!!!!!!!

Die größte Sensation erwartet uns dann morgens am 3.Tag: Der sensationelle Tempel von Abu Simbel
Nachdem der Tempel durch den Bau des Stausees, so wie die Behausung zig tausender Nubier, überflutet worden wäre, hat die Unesco in einem Riesenprojekt den gesamten Tempel zerlegt, abgetragen, und an einem höheren Standort in der Nähe wieder originalgetreu aufgebaut!!
Wir haben das Glück, und der Capitän unseres Schleppbootes fährt bei idealem Morgenlicht extra nahe daran vorbei und wir können wunderschöne Bilder vom Wasser aus machen!
Voller Freude werden unsere Stative und Kameras in Stellung gebracht:

Das Ergebnis kann sich sehen lassen:

Unsere Schiffscrew ladet uns kurz vor der Ankunft in Wadi Halfa noch zum Essen ein:

Um 5 Uhr nachmittags legen wir im Hafen von Wadi Halfa an, die Rampe wird heruntergefahren und alle starten ihre Motoren, um vom Ponton zu fahren, doch irgendwie passiert nichts. Wir müssen noch kurz warten, heißt es.
Wie sich herausstellt, handelt es sich dabei um ein typisch afrikanischen "Kurz", denn da der Zoll schon nach Hause gegangen ist, und erst am nächsten Tag wiederkommt, dürfen wir bis dahin das Ponton mit unseren Fahrzeugen nicht verlassen.Wir übernachten also widerwillig nochmals auf dem Ponton!
Am nächsten Morgen dürfen wir dann nach der Zollbesichtigung endlich vom Boot fahren und können die Einreiseformalitäten in Angriff nehmen.
Englisch spricht hier niemand mehr, und so sind wir auf die Hilfe eines "Schleppers" angewiesen. Wir wurden schon in Ägypten von Reisenden vor einem älteren Herrn in traditionellem weißen Gewand ohne Zähne mit dem Namen Herr Gamal gewarnt, der die Einreiseformalitäten für Overlander erledigt, und sich dabei eine ordentliche, illegale Provision einstreift.
Wir finden dann nach einiger Sucherei jemanden, der die Formalitäten umsonst erledigen will, und was für ein Zufall: Ein älterer Mann ohne Zähne in weißem Gewand..........
Ich frage ihn nach seinem Namen: Mister Gamal, nice to meet you!
Ich bedanke mich sofort für seine Hilfe und erkläre ihm, daß wir sie nicht in Anspruch nehmen werden und begebe mich auf die Suche nach jemand Anderem, doch es stellt sich heraus, daß er tatsächlich der Einzige ist, und wir auf ihn angewiesen sind. Eine abgekartetes Spiel! Ich hätte es doch glatt wieder vergessen: Wir sind ja in Afrika!
Zum Glück haben wir ganz genaue Informationen von einem sudanesischen Agenten einer Touristagency über die anfallenden Gebühren erhalten, und so korrigieren wir seine "linken" Berechnungen selbständig und machen ihm klar, daß wir keinen Cent mehr bezahlen werden. Im Wesentlichen handelt es sich dabei um eine von ihm "erfundene" Local-Tax, die nur seiner persönlichen Bereicherung dient. Keiner von uns zahlt sie, Mr. Gamal ist stinksauer und kurz vor dem Explodieren, und wir lachen uns alle ins Fäustchen.
Er ist sogar so angefressen, daß er dem letzten von uns, Peter, das Geld wutentbrannt entgegenschmeißt und nicht annimmt. Mr. Gamal vergisst durch seine chaotische Arbeitsweise dann bis zum Schluß darauf.
Erst am nächsten Tag, den Peter, die Franzosen und wir noch in Wadi Halfa verbringen, kommt er ganz nervös angerannt: "Einer von unserer Gruppe habe gestern nicht gezahlt", meint er.
"So ein Pech auch, das muß wohl einer der Belgier gewesen sein, und die sind schon gestern Richtung Karthoum losgefahren!!!!"
Ja, ja Mr. Gamal, das hast Du nun davon!!!!!
Wir halten uns die Bäuche vor Lachen und Schadenfreude!!

Blick auf Wadi Halfa.....

......und die Mechanikerfraktion:

Marc und Helene die Franzosen, Peter und Bini, und unsere Wenigkeit machen uns tags darauf auf den Weg am Nil entlang Richtung Karthoum. Ich freue mich schon auf die Strecke, die sehr schön sein soll.
So schön soll sie dann aber, zumindest für mich, nicht werden, denn plötzlich bekomme ich extreme Zahnschmerzen an einem Zahn, der vorher schon Probleme bereitet hat und wegen dem ich extra vor unsrer Abfahrt noch beim Zahnarzt war.
Marc, seines Zeichens Zahntechniker, stellt nach eingehender Untersuchung fest, daß der Zahn am Absterben ist, und nur eine Wurzelbehandlung die Schmerzen beseitigen könnte.
Suuuuuper!!!!!! Die einzige Möglichkeit, einen Zahnarzt zu finden, der eine solche Behandlung durchführen kann besteht, wenn überhaupt, in Karthoum.
Das heißt für uns, auf schnellstem Weg die 1000km entfernte Hauptstadt zu erreichen! Auf schnellstem Wege heißt im nördlichen Sudan, mit auf den üblen Wellblechpisten maximal zulässiger Geschwindigkeit von 5-15 km/h "dahinzurasen"!!
Vollgepumpt mit den stärksten Schmerzmittel und halb im Delirium schaffen wir die Strecke in 5 Tagen. Jene 5 Tage stehen seither auf meiner persönlichen Nr.1 Hitlist der schlimmsten Tage meines Lebens!

Herrlich!!! Mit Zahnschmerzen über bis zu 20cm hohes Wellblech:

Viele Fotos habe ich in meinem Zustand nicht gemacht, aber ein paar Eindrücke von dieser, eigentlich wunderschönen Strecke gibt es:

Wir finden in Karthoum tatsächlich einen Zahnarzt, der einen seriösen Eindruck macht, und nach 4-maliger Behandlung bin ich tatsächlich schmerzfrei!
Der Arzt wurde uns von der deutschen Botschaft vermittelt mit der Aussage: "Wir sagen aber gleich dazu, daß von uns da keiner hingehen würde! Wenn wir zum Zahnarzt müssen, dann fliegen wir dazu nach Deutschland!"
Das beste Gefühl vermittelt so eine Aussage nicht!! Im Endeffekt kann ich aber sagen, daß er seine Arbeit wirklich gut und gewissenhaft durchgeführt hat.

Bei einer routinemäßigen Kontrolle an meinem Lkw stelle ich dann fest, daß die 2. Lichtmaschine, die ich kurz vor der Abfahrt noch eingebaut hatte, den extremen Belastungen nicht standgehalten hat und gebrochen ist. Bei genauerer Betrachtung fällt mir auch noch auf, daß die Riemenscheibe der in Kairo reparierten Wasserpumpe durch die Reparatur unrund geworden ist, und eben jene für teures Geld instandgesetzte Wasserpumpe nach nun 2000km schon wieder kaputt ist!
Die nächsten 2 Wochen verbringen wir nur mit Ersatzteilbesorgung und Reparatur:
Erst die vierte Lima, die ich neu und originalverpackt am Markt besorge, ist auch wirklich in Ordnung. Wasserpumpe bekomme ich trotz schwerer Bedenken tatsächlich neu am lokalen Ersatzteilmarkt, und sie scheint auch in Ordnung zu sein. Das größte Problem bereitet die Riemenscheibe, die ich nirgends auftreiben kann. Schlußendlich bestelle ich sie direkt bei Mercedes, die sie via TNT per Luftfracht aus Deutschland einfliegen lassen.
Zu guter Letzt baue ich noch 3 Tage lang eine neue Halterung für die 2.Lima, da sich die erste Version ja als nicht sehr haltbar herausgestellt hat.
Man beachte den professionellen Arbeitsschutz im Sudan: Sonnenbrille statt Schweißschirm!!

Karthoum selbst gefällt uns gut. Das Beste an Karthoum bzw. dem gesamten Sudan sind aber die auffallend freundlichen, interessierten und hilfsbereiten Sudanesen selbst.
Hier ein Blick in den Souk von Karthoum:

Das größte Highlight unseres Sudanaufenthaltes entsteht gänzlich ohne unser Zutun, denn eines Tages füllt sich der Campingplatz plötzlich mit Unmengen von Sudanesen in den verschiedensten traditionellen Gewändern, die, begleitet von Trommeln und lautem Gesang, 2 Tage lang den Platz in eine Tanz und Festfläche verwandeln. Grund dafür ist der Besuch des chinesischen Präsidenten, dem als Empfang alle sudanesischen Volksgruppen mit ihren Tänzen und Bräuchen vorgeführt werden sollen.
Als Platz für die Generalprobe wurde unser Campingplatz ausgewählt!!!!!!!

Die nächsten 2 Tage wird der Verschluß und der Auslöser meiner Kamera auf eine harte Belastunsprobe gestellt! Das Ergebnis sind viele wunderbare Bilder, die anders nie möglich gewesen wären!

Nachdem alles repariert ist, und das äthiopische Visum eine weitere Seite in unseren Reisepässen schmückt, gehts für uns weiter Richtung Äthiopien.
Auf der Suche nach einem Schlafplatz, biegen wir von der Hauptstrasse auf einen schmalen Weg Richtung Nil ab. An der Einfahrt steht ein Sudanese mit einer Pfeife im Mund, der uns freundlich zuwinkt. Ich winke nur kurz anstandshalber zurück, und brause ohne stehenzubleiben an ihm vorbei. In Afrika winkt jeder, und leider meistens nicht aus reiner Freundlichkeit, und so habe ich mir schon lange eine allgemeine Skepsis angeeignet. Leidergottes ist diese, sonst eher negative Eigenschaft, in Afrika in 90% aller Fälle dafür verantwortlich, daß man nicht an der nächsten Ecke hoffnungslos über den Tisch gezogen wird.
Vertrau Dir selbst, und sonst KEINEM!!!! So traurig es ist, aber der einzige Weg in Afrika.
"Der hat ja nett ausgesehen", meint Steffi zu mir. "Das werden wir ja sehen....." denke ich mir heimlich. Der Weg endet an einer riesigen Villa mit wunderschönem bunten Garten. Nicht alltäglich im Sudan! Kurze Zeit später kommt ein Motorrad angerast. Motorräder sind nicht alltäglich im Sudan. Und auf eben jenem Motorrad sitzt der Sudanese mit seiner Pfeife, der uns in perfektem Englisch zuruft, daß wir seine Gäste seien, und herzlich willkommen sind. Englischsprechende Leute sind nicht alltäglich im Sudan. Noch immer skeptisch, fahren wir zu jenem Haus, wo wir, ebenfalls nicht alltäglich im Sudan, von einer weißen Frau begrüßt werden. Langsam kommt mir das alles ziemlich komisch vor! Plötzlich wieder Motorengeräusche, und ein nagelneuer Pajero rast auf das Haus zu, die Türen springen auf, und 4 Männer, alle in traditionellem Gewand, begrüßen freudig unsere Gastgeber, jeder von ihnen mit einer Whiskey-Flasche in der Hand. In einem Land, in dem schwere Gefängnisstrafen auf den Besitz von Alkohol stehen, ist auch dies nicht alltäglich! Alle 4 begrüßen auch uns sehr freundlich in perfektem Englisch.
Steffi und ich verstehen die Welt nicht mehr!! Wo sind wir da hineingeraten?
Während des darauffolgenden Abendessens auf der Dachterasse mit wunderbarem Essen und Trinken lüftet sich dann das Rätsel: Alle von ihnen gehörten in den 90ern zur Führung einer Widerstandsbewegung gegen das Regime, die für eine demokratische Regierung kämpfte. Nach einem großen Militärputsch mußten sie von einem Tag zum nächsten das Land verlassen. Nach nunmehr 14 Jahren im Exil, die jeder von ihnen wo anders verbrachte, trafen sie sich nun zum einen der ersten Male alle gemeinsam wieder. Und wir mitten drin!
Da jeder von ihnen perfekt englisch spicht, erfahren wir sehr viel Interessantes vom Sudan, und vorallem alle politischen Hintergründe.
Drei Tage verbringen wir insgesamt bei unseren lieben Gastgebern und es entwickelt sich eine richtige Freundschaft. Die Verabschiedung ist sehr herzlich und rührend, und wir sind traurig, von ihnen Abschied nehmen zu müssen, aber ich bin mir sicher, daß wir uns irgendwann mal wiedersehen.

Wir fahren weiter Richtung Gallabat, dem einzig offenen Grenzübergang zwischen dem Sudan und Äthiopien, durch relativ eintönige Landschaft.
Allerhand Müll liegt da am Straßenrand:

Der Afrikareisende mit einem hohen Lkw hat ein allgegenwärtiges Problem: Stromleitungen!
Grundsätzlich zapft der arme Afrikaner den Strom, sofern es einen gibt, illegal von den Stromleitungen ab. Wichtig ist dabei nur, daß die Leitung seine Hütte erreicht. WIE sie sie dabei erreicht, spielt keine Rolle, und es wird darüber auch überhaupt nicht nachgedacht. Und so kommt es, daß man oft umkehren muß, weil ein Spinnennetz aus Leitungen in unter 3 Meter höhe die Durchfahrt für einen Lkw unmöglich macht.
Steffi hat sich im Laufe der Zeit auf das Aufspüren von nahezu unerkennbaren, dünnen Leitungen spezialisiert, und warnt mich sehr zuverlässig jedes Mal, wenn wiedermal eine verdächtig niedrig hängt, worüber ich ihr sehr dankbar bin, denn ich hätte bestimmt schon zig Male welche übersehen. Schließlich muß man abundzu als Fahrer auch auf die Straße schauen, und nicht ständig in den Himmel.
Es kam wie es kommen mußte. Im letzten Ort vor der äthiopischen Grenze sehen wir eine dieser verfluchten Leitungen zu spät, ich kann nicht mehr rechtzeitig bremsen, und reiße eine ab.
Normalerweise hieße sowas: Ja nicht stehenbleiben, rauf aufs Gas und weg von dort!
Leider hindern mich die anderen 5 Leitungen, die sich wunderbar in meinen Reservereifen verhängt haben, und noch nicht gerissen sind daran.
Sofort sind wir von allen Menschen umringt, die sensationsgierig angerannt kommen, und natürlich ist sofort "der Besitzer" jener Leitung anwesend, der das große Entschädigungsgeld wittert.
Nachdem das Auto mit Stöcken von den restlichen Leitungen befreit wurde, kommt sofort die unausweichliche Geldforderung. Da ich zuvor fast das gesamte restliche sudanesische Geld vertankt hatte, sind nur mehr umgerechnet 5 Euro in meiner Tasche. Trotz dem Bewusstsein, daß ihnen das nicht reichen wird, biete ich es ihnen an, zeige meine leere Geldbörse her, und erkläre ihnen, daß ich zuvor alles vertankt hätte, weil wir doch nach Äthiopien fahren. Nein, das sei nicht genug, heißt es. Na gut, dann halt noch 2 Päckchen Zigaretten dazu! Nein, nein, das sei auch nicht genug, heißt es wieder.
Die Lage wird spitzt sich zu, es wird dunkel, und die Leute ums Auto werden immer mehr.
Ich diskutiere weiter, die Stimmung wird immer aggresiver, Steine fliegen aufs Auto.
Nachdem einer von ihnen sich auf den Weg gemacht hat, die Polizei zu holen, wird mir bewußt, daß das sehr unangenehme Folgen haben könnte, und ich irgendwas unternehmen muß!
Wie so viele Bekanntschaften vorher schon, so hatten uns unsere neuen Freunde, deren Gäste wir ein paar Tage zuvor waren, ihre Telefonnummern gegeben, und uns ihre Hilfe bei Problemen angeboten.
Noch nie mußte ich sowas in Anspruch nehmen, aber in diesem Fall war eine dieser Nummern unsere Rettung!
Ich weiß nicht, was unser Freund ihnen in der Folge über das Telefon erzählt hat, und will es auch garnicht wissen, denn nach einigem hin und her sagte er mir daß ich in keinem Fall etwas zahlen, und auf der Stelle das Gebiet verlassen solle. Er habe das mit ihnen geklärt.
Ich springe ins Auto und starte den Motor um loszufahren, allerdings ist das scheinbar doch nicht so im Sinne der Leute, denn sie hindern mich daran , die Türe zu schließen. Ich solle noch 5 Minuten warten, dann könne ich fahren.
Na klar, denke ich mir, so bescheuert werd ich sein!!!!!!!
Bei der ersten Möglichkeit reiße ich die Türe zu, verriegle sie, immer noch umringt von einer Menschentraube, und steige auf bewährte Art und Weise im Leerlauf voll aufs Gas, um diejenigen aufzuscheuchen, die direkt vor dem Lkw stehen. Wie immer springen alle erschrocken zur Seite, Gang rein, und raus aus dem Hexenkessel.

Genau diese Technik sollte sich dann vor Allem in Äthiopien, wo sich hunderte Kinder bei jedem Stopp auf-, unter-, und um dem Auto tummeln, hervorragend bewähren. Wenn ein Lkw-Motor plötzlich so richtig aufheult, springt JEDER auf die Seite!

Da es mittlerweile schon stockdunkel ist, irren wir verzweifelt durch die, natürlich immer noch niedrigleitungsverseuchten Straßen, auf der Suche nach einem Schlafplatz. An einer Stelle, an der wir wiedermal auf Grund von Leitungstieffliegern umkehren müssen, werden wir von einem Mann angesprochen, der durch gutes Englisch auffällt. Er lädt uns ein, in seinem Haus zu übernachten, und seine Gäste zu sein.
Er macht einen sehr vertrauenserweckenden und seriösen Eindruck, und so nehmen wir sein Angebot nach dem vielen Stress sehr erleichtert an. Unser Gastgeber heißt Hamza und ist Generalimporteur von Daewoo für den Sudan und Äthiopien. Wir verbringen einen sehr netten Abend mit herrlichem Essen, und interessanten Gesprächen. Am nächsten Tag inspizieren wir ganz neugierig die Behausung, die hier zum ersten Mal aus den afrika-typischen runden Strohhütten besteht. Bisher waren die Häuser eckig, aber ab dem Südsudan gibt es hauptsächlich die runden Strohhütten. So primitiv so eine Strohhütte auch aussehen mag, bei Hamsa spielen sie alle Stücke: Von Klimaanlage über Kühlschrank, Fernseher und Sat-Anlage bis hin zum DVD-Player ist alles vorhanden!
Während ich in der Gästehütte traditionell männerlike bei lautstarkem MTV aus dem Fernseher mit Tee und Gebäck verwöhnt werde, kümmern sich die Frauen, ebenfalls traditionell, um Steffi, und weihen sie in alle Geheimnisse des Haushaltes ein. ;-) So ist das im Islam. Der Mann wird verwöhnt, und genießt das Leben, und die Frau arbeitet! Ich denke ich hätte da keine allzu großen Anpassungsschwierigkeiten.........

Nach einer halben Stunde kehrt sie zurück:

Ein Blick auf Hamza´s Haus in Gedaref:

Noch am selben Tag verabschieden wir uns aber wieder, da unser 1-monatiges Sudan-Visum ausläuft, und wir nach Äthiopien müssen.

Kurz vor der Grenze ändert sich die Landschaft schlagartig: Plötzlich wird es grün, und der Bewuchs wird immer üppiger. Wir sind erstaunt, wie schnell sich so eine Flora ändern kann.
Afrika wie man es aus Filmen kennt. Wir warten nur darauf, daß ein Löwe aus dem Busch springt, oder eine Elefantenherde auftaucht, aber damit müssen wir uns dann doch bis Kenia gedulden.

Der Grenzübertritt entpuppt sich als der einfachste und billigste unserer Reise. Innerhalb von ca. 1 Stunde sind alle Formalitäten erledigt, der Zoll will das Auto nichtmal sehen, läßt mich, nachdem ich erkläre daß ich kein Carnet hätte, auch ohne einreisen, und wir müssen nichtmal einen cent bezahlen!
Jetzt sind wir also in Äthiopien, in dem Land von dem wir von anderen Reisenden fast ausschließlich die wildesten Horrorgeschichten gehört hatten. Dementsprechen gespannt sind wir, und stellen uns vorerst mal auf das Schlimmste ein.

Reisestatistik:

Letztes Update am:
04.10.2010
aktuelle Position:
Graz,
Fahrzeugtechnikstudium
Temperatur: 10° C
Reisetage(insg.):
ca.643
Strecke(insg.):
ca. 76.500 km
Reifenpannen: 7
Überfälle: 1
Schmiergelder:
25 Euro
Länder:ca.35

Transafrikaroute 06/07/08: