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Tunesien

Nachdem es Steffi und mir in Westafrika so gut gefallen hatte, beschlossen wir schon während unserer Rückfahrt nach Europa im April, so bald als möglich wiederzukommen, um die gedachte Reiseroute nach Mali, Niger, Burkina Faso..... fortzuführen, doch wie so oft kommt es anders als man denkt.
Bei unserer Ankunft in Wien erzählen uns unsere Freunde Peter und Bini, daß sie ihre Pläne, nach Asien zu reisen aufgegeben haben, und stattdessen im September nach Ostafrika fahren würden.
Im September? So ein Zufall, genau da wollten wir doch auch wieder los, und für die Sandabschnitte sollte man sowieso zu zweit sein! Aber Ostafrika? Klingt, nachdem wir uns so in Westafrika verliebt hatten nicht so gut. Die Ostseite hat in meiner Vorstellung so einen touristischen und erschlossenen, faden Beigeschmack, und riecht irgendwie wenig nach richtigem Abenteuer....
Meine Versuche, ihre gedachte Route in den Westen zu verlagern, scheitern leider kläglich, und so beschließen Steffi und Ich, uns eben diesmal den Osten, den wir ja beide nicht kennen, anzusehen, und uns Peter und Bini anzuschließen. Schließlich führt die Ostroute ja auch durch Libyen mit seinen sagenhaften Sandwüsten, die sowieso auf meinem Wunschzettel stehen.....

Während des Sommers in Österreich, den Steffi und Ich arbeitender Weise verbringen, überlege ich mir aufgrund der gemachten Erfahrungen ständig, was an meinem 1113er noch zu verbessern wäre.
Einige Dinge schwirren mir durch den Kopf. Leider stellt sich heraus, daß ein Umbau meines 1113ers auf die gewünschten Änderungen nahezu unmöglich, bzw. viel zu kostenintensiv wäre.
Ich finde aber ein Fahrzeug, daß alle meine Bedingungen erfüllt, und suche den ganzen Sommer lang im Internet nach einem käuflichen Exemplar: Ein 1935er Mercedes sollte es sein.
Dieses FZ hat alles, was ich mir wünschen würde, serienmässig verbaut: Permanenter Allrad, alle Sperren, alles getrennt schaltbar, Fahrgestell und Achsen, die sogar eine Reifendimension von 16.00 zulassen würden, ein komfortables, leises Fahrerhaus,32 Gänge, und, mit 350PS und 1600Nm Drehmoment, Leistung ohne Ende..... Ich sehe mich in meiner Vorstellung schon hunderte Meter hohe Dünen mit 100 km/h hochschiessen.....
Leider bin ich nicht der Einzige, der Gefallen an diesem FZ findet. Weder im Internet, noch einem der vielen Händler, die ich besuche, finde ich den gesuchten Typ.
Einer jener Nutzfahrzeughändler, die ich besuche, bricht auf meine Frage nach einem Allrad-1935er hin in schallendes Gelächter aus: "Ja, den hätten wir alle gerne, und selbst wenn ich einen hätte, wäre er schon lange verkauft, bevor er hier bei mir am Hof stehen würde!"
Einestages stosse ich zufälligerweise bei meiner routinemässigen Suche auf ein FZ, das mir ins Auge sticht, weil es 14,00er Reifen montiert hat. Es ist ein 1417er. Eigentlich genau der Typ, den ich suche, aber mit "nur" 170PS. Da ich mir nicht vorstellen kann, daß die riesigen Reifen mit der relativ geringen Leistung des Motors harmonieren könnten, rufe ich den Verkäufer an, um ihn danach zu fragen. "Kein Problem, passt gut zusammen", meint er.
Da ich mir das beim besten Willen nicht vorstellen kann, weil mein 1113er mit der gleichen Leistung trotz wesentlich kleinerer Bereifung im weichen Sand ins schnaufen kommt, mache ich mich auf den Weg nach Deutschland, wo das FZ steht, nur, um mich vom Gegenteil zu überzeugen......
Genau das sollte mir aber im Endeffekt nicht gelingen, denn nach einer kurzen Inspektion und einer Probefahrt, die all meine Zweifel über Bord wirft, unterschreibe ich an Ort und Stelle einen Kaufvertrag!

In nur 2 Wochen bauen Peter und Ich die Dreipunktlagerung und setzen den Koffer um, eine weitere Woche brauche ich für sämtliche Umbauten, die für eine offizielle Genehmigung vorgeschrieben sind, und dank Joe´s Unterstützung ist das Auto nur drei Wochen nach dem Kauf als Wohnmobil typisiert, und offizielles Strassenverkehrsmitglied.

Es ist mittlerweile Ende September, und so bleibt uns nur mehr weniger als ein Monat bis zur Abfahrt der gebuchten Fähre von Genua nach Tunis am 28. Oktober.
Die Tage fliegen dahin, und wie es meiner Natur entspricht, wird es zeitlich auch diesmal wieder verdammt eng. Aber, und auch dies entspricht glücklicherweise meiner Natur, kann ich in letzter Sekunde dann doch noch alle wichtigen Dinge in die Wege leiten, und so erhalte ich, mittlerweile schon ziemlich nervös, eines der wichtigsten Reisedokumente überhaupt, das "Carnet de passage", gerade mal 2 Tage vor unserer Abfahrt.
Zur Info: Der Öamtc will pauschal 40.000 Euro Kaution für das Carnet! Man kann aber auch als Österreicher das Carnet durch eine Mitgliedschaft beim ADAC in Deutschland bekommen, wo in meinem Fall nur 10.000 Euro Kaution fällig waren.
Hierbei ein herzliches Dankeschön an meinen lebenslangen Sponsor, der schon so oft, auch für die verrücktesten Unternehmungen, Verständnis, und oft eine Art der Unterstützung gefunden hat, nämlich meine Oma, die die Kaution für mich hinterlegt hat! Auch meinen lieben Eltern und meinem Schwesterlein, die stets,wenn auch oft mit dem einleitenden Satz "Du spinnst ja...", alle auf ihre Art und Weise meine Vorhaben unterstützen, möchte ich hiermit ganz herzlich Danken!!!!

Es ist also mittlerweile der 26.Oktober spät Abends, als ich die letzten Dinge ins Auto räume, und mich von meinen engsten Freunden verabschiede: Michi, Siegi und meinem Schwesterlein

Als Abfahrtsbereitschaft hergestellt ist, ist es bereits wieder hell, ich lege noch ein kurzes "Powerschläfchen" ein, und dann brechen wir auf nach Genua.

Am Weg besuchen wir noch kurz Verena und Wolfi in Kärnten, müssen aus Zeitmangel aber gleich wieder aufbrechen, um es noch rechtzeitig zur Fähre zu schaffen.
Und tatsächlich, nachdem Steffi und Ich uns beim Fahren abwechseln, kommen wir rechtzeitig in Genua an. Wir sind natürlich nicht die Einzigen, die nach Tunis wollen. Mit uns stehen zig hochgezüchtete Geländewagen am Abfahrtsterminal:

Nach stundenlanger Warterei fährt das Schiff dann Abends endlich los, und wir verabschieden uns in der Dämmerung für längere Zeit von Europa:

24 Stunden dauert die Überfahrt, die jeder von uns auf seine Art und Weise nutzt:

Peter, Bini und Steffi:

Die Einreiseformalitäten sind dann in Tunis am Hafen rasch erledigt, und am 29.Oktober um ca. 19.00 Uhr betreten wir wieder den so ersehnten afrikanischen Boden.
Da Peter noch einige Reparaturen am Auto erledigen will, trennen wir uns kurzzeitig, und Steffi und Ich fahren recht zügig Richtung Süden, um endlich mal wieder Sand unter die Räder zu bekommen.
Vorbei am riesigen Salzsee Chott el Jerid und endlosen Dattelplantagen, führt unser Weg weiter nach Douz:

Von dort gibt es eine Piste die, unterbrochen von einigen kleinen Dünenfeldern, zur Oase Ksar Ghilane führt. Im Reiseführer klingt diese Strecke sehr abenteuerlich, und daher freue ich mich schon sehr auf die Herausforderung......
Da wir eigentlich nur westafrikanische Verhältnisse kennen, auf denen die Wahrscheinlichkeit, einem anderen Fahrzeug zu begegnen, gegen null geht, können wir es kaum fassen, was auf dieser Strecke los ist!
Die größte Herausforderung dieser Strecke besteht nämlich darin, nicht mit einem der dutzenden anderen Fahrzeuge zusammenzustossen!:

In Ksar Ghilane, wo man in einer warmen Quelle herrlich baden kann, bleiben wir einige Tage, und fahren anschließend wieder Richtung Norden, um rechtzeitig zum vereinbarten Termin, am 12.November, an der Libyschen Grenze zu sein.
Interessehalber besuchen wir am Weg noch die aus diversen Pauschalurlaubskatalogen bekannte Badeinsel Djerba. Außer an den Hotelstränden kann man dort allerdings nirgends baden, denn die ganze Insel ist an der Küste mit Hotels zugebaut.
Dort treffen wir Marija, Stefan und dessen Eltern, mit ihrem "unauffälligen" KAT 1.
Wie sich herausstellt, sind die zwei eine der Organisatoren von der Berlin-Breslau-Rally:
Soll noch einer sagen mein Auto sei groß!!

Zufälligerweise treffen wir auf Djerba auch Peter und Bini wieder, und so machen wir uns gemeinsam auf den Weg zur libyschen Grenze.

Reisestatistik:

Letztes Update am:
04.10.2010
aktuelle Position:
Graz,
Fahrzeugtechnikstudium
Temperatur: 10° C
Reisetage(insg.):
ca.643
Strecke(insg.):
ca. 76.500 km
Reifenpannen: 7
Überfälle: 1
Schmiergelder:
25 Euro
Länder:ca.35

Transafrikaroute 06/07/08: